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Tom Waits, (Looking for) The Heart of Saturday Night, 1974

Text/Musik/ Tom Waits

Produzent/ Bones Howe

Label/ Asylum

Wenn „Closing Time“, Tom Waits‘ erstes Album, nach einem Sänger klingt, der auf der Suche nach seiner Stimme ist, dann hat er sie in „The Heart of Saturday Night“ gefunden. Diese Stimme wurde zwar noch nicht von Zigaretten ruiniert, und die verruchte Säufer-Masche, die er er sich konstruiert hat, war mehr Entwurf als Portrait, aber ab seinem zweiten Album begann Waits, wie er selbst zu klingen.

Trotz alledem ist der Beinahe-Titelsong, der Platte ungewöhnlich für einen frühen Waits-Track, weil er seine Person nicht in den Mittelpunkt des Geschehens stellt. Die selbst-mystifizierende Erzählung aus der Ich-Perspektive, die man von anderen Stücken aus jener Zeit kennt, wie zum Beispiel „Tom Traubert’s Blues“, fehlt. Waits ist hier der Beobachter, der zusieht, wie sich die Welt vor ihm entfaltet.

Den Inhalt des Songs verrät der Titel: blauäugiger Optimismus am Wochenende, Geld in der Tasche, ein Mädchen neben sich. Dieses schlichte Thema behandelten viele Songwriter im Laufe der Jahre. Waits ist klug genug, das Thema nicht zu überspannen und kombiniert den Text mit einer seiner einfachsten, schönsten Melodien.

„The Heart of Saturday Night“ hinterliess nicht viel Eindruck. Der Rest des Jahrzehnts verbrachte der Sänger damit, in seine Skid-Row-Beatnik-Rolle hineinzufinden und ihr wieder zu entwachsen, bevor es ihm mit dem kompromisslosen „Swordfishtrombones“ (1983) gelang, sich neu zu erfinden.

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