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David Bowie, The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars, 1972

Produzent/ David Bowie, Ken Scott

Label/ RCA

Mit „Ziggy…“ definierte Bowie neu, was es bedeutete, ein männlicher Rockstar zu sein. Auf dem Cover erscheint er als magerer, kurzhaariger Androgyn in einer regnerischen Gasse ( obwohl er im Studio noch die langen Locken von „Hunky Dory“ trug). Mit der elektrischen Gitarre unter dem Arm ist er ein Alien, der auf die triste Erde gebeamt wurde, um uns Rock’n’Roll zu bringen. (Das in der Heddon Street in London aufgenommene Schwarzweissfoto war nachträglich koloriert und erinnerte an die Comics aus den Fifties.)

„Ziggy…“ ist die einzige Glam-Rock-LP, die man sich heute noch anhören kann. Knirschende Riffs und abgehobene Soli des Gitarristen Mick Ronson auf „Moonage Daydream“, „Suffragette City“ und dem Titelsong trugen zur weltweiten Definition von Glam-Sound bei. Bowies Gesang ist bei jedem Song anders – nachdenlich, verzweifelt, extatisch. Auf der LP gibt es genügend sexuelle Ambivalenz und Weltraummetaphern, allerdings gepolstert von solidem Songwriting und sorgfältig ausgesuchten Arrangements.

Vielleicht hat die Musik geklungen wie ein Blitz aus der Vergangenhewit, doch dank Bowies Akt als problematischer Rockaussenseiter klickte es bei den Kids und den Kritikern gleichermassen. Grossbritannien und Amerikas Ost- und Westküste verfielen ins Ziggy-Delirium, ganz wie später die Punks und New Romantics, bei denen die sexuelle Ambivalenz und das verrückte Auftreten gut ankamen.