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The Beach Boys, God Only Knows, 1966

Text/Musik/ Brian Wilson, Tony Asher

Produzent/ Brian Wilson

Label/ Capitol

1966 war Brian Wilson in Hollywood und erlitt eine persönliche Beatlemania. Er war der einzige Mensch auf Erden, der verkünden konnte, eine Platte zu machen, die ebenso gut sei wie „Rubber Soul“ und dies tatsächlich auch schaffte. Nach neun Lp’s in drei Jahren entwickelten sich die Beach Boys langsam von einer vorübergehenden Surfer-Mode zur Antwort des Pop auf die klassische Musik.

„Pet Sounds“ fand seinen Fixpunkt in dieser atemberaubenden Ballade über die Liebe und die Verzweiflung, die ihr Fehlen auslösen kann. Mit über 20 Studiomusikern bettete Wilson seine dreistimmige Hymne „God Only Knows“ in eine Klanglandschaft aus Akkordeon, Waldhorn, Klarinette, Saxophon und Cello – eine zögerlich gläubige Hinwendung zur Spiritualität.

Zum ersten Mal schrieb jemand Popmusik, die Konzentration verlangte. Die Strophen loteten die Grenzen der Rock-Akkordfortschreitung aus, verbunden durch eine Bridge, die ihren Bestimmungsort erst bei der Ankunft verriet. Nicht viele Liebeslieder beginnen mit der ernüchternden Erkenntnis: „Ich werde dich vielleicht nicht immer lieben“, aber wenn man, „solange die Sterne am Himmel stehn“, nicht an dieser Liebe zweifeln braucht, wissen wir auch, dass Gott ebensoviel zerstört wie neu schafft. Kurz nachdem Brian Wilson „God Only Knows“ geschrieben hatte, hörte er „Sgt. Pepper’s“ und verlor den Verstand.