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Elvis Costello & The Attractions, Oliver’s Army, 1979

Text/Musik/ Elvis Costello

Produzenten/ Nick Lowe, Elvis Costello

Label/ Radar

„Oliver’s Army“, ein (kommerzieller) Höhepunkt in Costellos Karriere, wurde auch deswegen zum britischen Chartstürmer, weil er Benny Anderssons fröhliches Klaviermotiv aus „Dancing Queen“ kopiert hatte. Doch hinter dem Popglanz steckt eine Breitseite gegen Militarismus, ausgelöst durch einen Besuch des Sängers 1978 in Belfasts „Murder Mile“. Die im Song erwähnte Armee ist Cromwells New Model Army, die Vorgängerorganisation des modernen britischen Militärs, die im Irland des 17. Jahrhundert für die Massaker von Drogheda und Wexford verantwortlich war.

Costellos dichter Text ist voller Anspielungen, eine Aufzählung einiger Spannungsgebiete der damaligen Welt, darunter Palästina, die Berliner Mauer, Hong Kong und Johannesburg. Gleichzeitig demaskiert er die irreführende Sprache auf den Rekrutierungsplakaten der Armee, die den Militärdienst als „ungefährlich“ und ganz normale „Berufslaufbahn“ darstellt. Aber Costello blickt nicht nur auf die spären 1970er Jahre. Vom Englischen Bürgerkrieg bis Winston Churchill bevölkert „Oliver’s Army“ ein Nimmerland. Der Song fühlt sich an wie ein bösartiges Update von Buffy Saint Maries pazifistischem Folksong „Universal Soldier“ – ein zeitloser Trauergesang um junge Burschen die in Männerkriegen kämpfen. Und zwischen den teuflisch eingängigen Refrains und dem Barrelhouse-Klavier lauert die berüchtigte Zeile „One more widow, one less white nigger“, deren Wortwahl einen Rundfunkverbot in den USA bewirkte. „Das war Ziel“, sagte Costello 1982, „ein grimmiges Herz inmitten einer Abba-Platte“.

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