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Bryan Ferry, Frantic, 2002

Produzent/ Rhett Davies

Label/ Virgin

Ganz und gar nicht nostalgisch kommt Bryan Ferry auf seinem elften Soloalbum „Frantic“ rüber, auch wenn er dafür den guten, alten Rock, Blues, Country und Folk wieder entdeckt hat. Heiter, gelassen, bisweilen sogar ausgelassen präsentiert er unter der Regie von Produzent Rhett Davies neben Coverversionen auch eigene Songs und eine Truppe, die sich hören lassen kann.

Mit den ehemaligen Roxy-Mitgliedern Paul Thompson, Schlagzeug, und Brian Eno ist es eine kleine Band-Reunion geworden, dank Gitarrist Chris Spedding, dem alten Weggefährten, streckenweise eine musikalische Fortsetzung von Ferrys erster Solo-Scheibe, „These Foolish Things“, nicht nur, weil Ferry gleich zwei Dylan-Nummern covert.

Der radiotaugliche Country-Swing „It’s All Over Now, Baby Blue“ macht enorm gute Laune, auf „Don’t Think Twice“ tremoliert Ferry atemlos zur Mundharmonika und dem Piano. „Goin‘ Down“ von Don Nix wird zum hypnotischen Blues, beim Leadbelly-Klassiker „Goodnight Irene“ betritt eine komplette Cajun-Band die Bühne. Aus Dave Stewarts Feder stammen „Goddess In Love“  – in Gedenken an Marilyn Monroe mit Eno als Zweitstimme – und das witzige Luderliedchen „Cruel“. Gitarrist Johnny Greenwood von Radiohead glänzt auf dem elegischen „Hiroshima“, „Fool For Love“ lässt mit Zeilen des Mittelalterbarden Richard Löwenherz Frauenherzen schmelzen. Und mit dem melodramatischen „San Simeon“, das auch im Text an Ferrys pathetisches 70er-Paradestück „In Every Dreamhome A Heartache“ anknüpft, setzt Ferry noch eins drauf. „I Thought“, von Eno, ist jedoch das Highlight, ein leicht dahinfliegender Federball, der sich in wehmütigen Prärie-Rosen verfängt, bevor es ihn endgültig hinwegweht und wir überwältigt ins Spitzenkissen sinken und „Yuppi-Yeh“ rufen.

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