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Bob Dylan, Oh Mercy, 1989

Produzent/ Daniel Lanois

Label/ Columbia

Mit „Oh Mercy“ scheint Dylan fast genau da weiterzumachen, wo er gut 10 Jahre vorher mit „Blood on the Tracks“ aufgehört hat. Ein stimmungsvoll-düsteres Album, voller Balladen und Songs über die Härten des Lebens. Das alles ist meisterlich arrangiert von Daniel Lanois, der die insgesamt eher sparsame Instrumentierung punktgenau einsetzt.

Je sparsamer in Szene gesetzt, desto besser: Mit dem „Man in the Long Black Coat“ erreicht Dylan einen der vielen einsamen Gipfel in seinem Gesamtwerk. Eine düstere Ballade, die die Geschichte der Frau, die mit dem geheimnisumwitterten Mann im schwarzen Mantel davonging, in poetischen Genrebildern erzählt. Man könnte sogar den Eindruck gewinnen, dass Dylan seine besten Songs geschrieben hat, wenn ihn die Frauen verliessen oder verlassen wollten. In diesem Song geht es allerdings ums ultimative Verlassen.

Mindestens ebenso eindringlich ist „Most Of The Time“, ein Liebeslied allererster Güte, mit dem Dylan all seine zuvorigen Liebeslieder nicht nur übertrifft, sondern ein Zeichen setzt, wie man Liebe, Abschied und – zum Beispiel – Seelenschmerz auf eine musikalisch tragende, hingegen niemals schnulzige Art und Weise behandeln kann.

Auch sonst beweist Dylan hier, dass er derjenige welcher unter den Songwritern ist. „Oh Mercy“ gehört zu den Dylan-Alben, bei denen von Anfang bis Ende so ziemlich alles stimmt, hinzu kommt diese dichte Atmosphäre, die gekonnte Instrumentierung, die musikalischen Anleihen bei den unwahrscheinlichsten Genres: „Where Teardrops Fall“ zum Beispiel, eine edle Tanznummer mit melancholischem Saxophon am Ende.

11 Gedanken zu “

  1. Ich sag’s mal so: er hat in der Phase mit der Scheibe zwischenzeitlich bewiesen, dass er es doch noch kann, nachdem er zuvor nach „Street-Legal“ über viele Jahre eigentlich fast nur noch unverdauliches Zeug veröffentlicht hat (und nach ‚Oh Mercy‘ mit diesem unsäglichen ‚Under The Red Sky‘-Müll gleich nochmal)…

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    1. Ich bin kein Superfan von Dylan, aber ich denke, er hat mit seinen Songs das moderne Leben metaphorisiert. Dazu gehört auch, dass ein paar seiner Alben einfach lausig sind. Die beiden Meisterwerke „Oh Mercy“ und „Time Out Of Mind“ wurden von Daniel Lanois produziert. Von ihm hat Dylan gelernt, wie man auf Platte klassisch daherkommt, ohne verstaubt zu wirken. Wobei Konsequenz nie seine Sache gewesen ist: Ich habe Dylan ein paar Mal live gesehen. Die Konzerte waren von grandios bis unter aller Sau. Aber es ist schon fast Pflicht, dass ein Musiker wie Dylan statt Standortbestimmungen nur Momentaufnahmen von sich gibt.

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      1. Im Gesamtwerk ist er kritisch zu betrachten, da ist einfach zu viel Müll unter seinen Veröffentlichungen, vor allem auch wieder in jüngster Zeit. Hab ihn einmal gesehen, hat gereicht, war nicht übel, aber auch nicht herausragend. „Time Out Of Mind“ war denke ich seine letzte richtig gute Arbeit, die es mit seinen stärkeren 60er- und 70er-Jahre-Arbeiten aufnehmen kann. Hinsichtlich amerikanischer Songwriter kommt man an ihm natürlich nicht vorbei, auch wenn die von Dir angesprochenen Momentaufnahmen ab und an einfach zu erratisch waren.

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      1. Yes, there is an influence of Woody Guthrie in his early songs. But many Dylan songs also go back to traditional folk-, blues- and country standards. There are a lot of interpretations about Dylan…

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