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The Rolling Stones, We Love You, 1967

Text/Musik/ Mick Jagger, Keith Richards

Produzent/ Andrew Loog Oldham

Label/ Decca

Im Februar 1967 durchsuchten 15 Beamte das Haus von Keith Richards in Redlands und beschlagnahmten verschiedene „Substanzen“. Als Anstifter der Razzia wurde das englische Boulevard-Blatt „News of the World“ verdächtigt, das seit einiger Zeit regelmässig Horror-Storys über „Drogen-Partys“ und „Sex-Orgien“ brachte. Als die Polizisten in Richards Haus eindrangen, finden sie im Badezimmer die Sängerin und Jagger-Freundin Marianne Faithful „nur in einen Fellteppich eingewickelt, darunter völlig nackt“.

Einige Monate später wurde Brian Jones in seiner Wohnung wegen Drogenbesitzes festgenommen, kam aber gegen Kaution frei. Im Juni 1967 wurden Jagger und Richards wegen Drogenbesitzes zu mehrmonatigen Gefängnisstrafen verurteilt. Beide kamen aber gegen Kaution frei. Die englischen Boulevardblätter stürzten sich wie die Geier auf die Affäre – in der englischen Öffentlichkeit wurde derweil heftig über den neuen „Lebensstil der Jugend“ diskutiert. Viele hielten die Urteile gegen die Stones für zu hart. Unter der Überschrift „Wer schiesst mit Kanonen auf Spatzen?“ prangerte der Chefredakteur der „Times“, William Rees-Mogg, das Urteil als unfair und stark überzogen an. Aufgrund mangelnder Beweise und des starken öffentlichen Drucks wurden die Urteile gegen Jagger und Richards am 31. Juli aufgehoben.

Am 20. August 1967 veröffentlichten die Stones „We Love You“. Der Song beginnt mit Schritten und dem Zuknallen einer Zellentür sowie einem Piano-Intro von Nicky Hopkins. Offiziell wurde verkündet, dass es sich bei dem Lied um einen Dank der Stones an ihre Fans handelte. Doch in Wirklichkeit war „We Love You“ eine ironische Abrechnung mit der Boulevardpresse, die die Drogenexzesse und -prozesse der Band genüsslich breitgeschlagen hatte. Der Chor im Hintergrund klingt übrigens so traumhaft schön, weil die Meister des Pops höchstpersönlich mitsangen: die Pilzköpfe John Lennon und Paul McCartney. Beeinflusst von „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ der Beatles und dem Zeitgeist folgend nahmen die Stones dann ein psychedelisch geprägtes Album auf: „Their Satanic Majesties Request“.

4 Gedanken zu “

  1. Aus irgendeinem Grund servierte mir WordPress diesen Post erst heute via Email. Macht aber gar nichts –
    im Gegenteil! Ich habe diesen affenscharfen Song dann gleich erst einmal in meiner Stones Playlist geortet und den Pott ordentlich aufgedreht! 🙂

    Inbesondere die Intro mit Piano und dem versetzten Bass ist schlicht genial. Und der Chorgesang mit Lennon und McCartney ist in der Tat vom feinsten.

    Wie allerdings auch bei so manch anderen Songs war „We Love You“ nicht unbedingt Liebe auf den ersten Blick fuer mich – klingt halt doch etwas anders wie „Satisfaction“ oder „The Last Time!“ Seit langem gehoert das Stueck allerdings zu meinen bevorzugten psychedelic Songs. Und was „Their Satanic Majesties Request“ anbelangt, stehe ich absolut auf „She’s A Rainbow.“

    Gefällt 1 Person

    1. Mir ist dieses Lied aus dem Jahr 1967 deshalb so ans Herz gewachsen. Weil darin der „Summer of Love“ anders dargestellt wird, als mit Blumen im Haar und ein Filzchen auf der Lippe, wie ihn Chronisten gerne für die Nachwelt definieren wollen. Das Klima in der Schweiz damals war wirklich frostig. Alles Neue, das nicht der Norm entsprach, wurde abgelehnt. Es gab ein Konkubinatsverbot, Homosexualität wurde geächtet. Alles, was nach Kommunismus roch war verdächtig, auch die neue Lebensform der Hippies. War einer mit langen Haaren in der Stadt unterwegs, riefen ihm die Leute „Sauhund“ nach. Klar, dass da den Jungen die Stones eingefahren sind. Sie haben nicht nur die Musik geliefert, sie haben auch die dunklen Seiten dieser Zeit beschworen, die geprägt vom Tod war, vom Wüten gegen den Vietnam-Krieg bis zur Verschwendung im selbstzerstörerischen Drogenrausch. Es war nicht alles Peace, Love and Happiness –

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