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Sex Pistols, Holidays in the Sun, 1977

Text/Musik/ Sex Pistols

Produzent/ Chris Thomas

Label/ Virgin

Johnny Rottens Textanfang – „A cheap holiday in other people’s misery“ bezog sich auf ein Graffito, das 1968 während einer Kampagne der revolutionären Internationalen Situationisten in Paris aufgetaucht war. Interessante Referenz! Und fürs Klauen bei der Musik waren sich die Sex Pistols auch nicht zu schade. Das Riff von „Holidays in the Sun“ stahlen sie von The Jams „In the City“ (ersch. 1977), die sich wiederum von der 1966er Who-B-Seite „In the City“ hatten inspirieren lassen.

Nicht dass Sid Vicious das geleugnet hätte. Paul Weller von The Jam erinnert sich an einen Streit in einem Londoner Club: „Er kam auf mich zu und laberte etwas von ‚Holidays in the Sun‘ und wo sie das Riff von ‚In the City‘ geklaut hatten. Jedenfalls kam er und gab mir eine Kopfnuss. Die bekam er zurück.“

Der Text entstand in einer angespannten Atmosphäre. Die Pistols gingen zuerst nach Jersey, aber:“Sie warfen uns raus.“ Aufgrund ihres Bekanntheitsgrades war eine Flucht unerlässlich. Johnny Rotten: „Wir fühlten uns damals in London wie in einem Straflager… Das Beste was wir tun konnten, war, uns irgendwo anders ein Gefangenlager zu suchen. Berlin und seine Untergangsstimmung war eine gute Idee. Von da kam der Song.“

Das Riff war nicht das einzige, das sich die Sex Pistols auf dieser vierten Single angeeignet hatten. Das Cover war die nur leicht veränderte Version eines belgischen Reiseprospekts. Ein Rechtseinwand führte dazu, dass spätere Exemplare der Single mit weissem Cover herauskamen.

2 Gedanken zu “

  1. Punk ist an mir vorbeigegangen. Jetzt wirkt vieles so brav und simpel wie bei den frühen Beatbands, nur, dass die damals auf viel mehr Widerstände trafen. Die Punkbands, die heute noch bestehen und die für sich und ihr kleines Publikum spielen, sind ruppiger, als es der damalige Chartpunk war.

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    1. Die frühen Beat-Bands hatten für die Jugendlichen eine Bedeutung, die weit über den Begriff Musik hinausging. Die Eltern und Lehrer haben damals wirklich auf der anderen Seite gestanden. Sie haben die Welt anders gesehen, haben andere Musik gehört. Auch der Punk hat einen Funken ausgelöst, der Feuer gefangen hat – in denen aus drei Minuten Rumgehopse viel mehr wurde, ein Widerstand, eine Befreiung, aber auch eine Ideologie, ein Verrat und ganz oft ein grosses Geschäft. Doch die Jugendlichen damals hatten Feindbilder, und das ist nicht schlecht, weil man sich an ihnen abarbeiten kann und sich dadurch selber definiert.

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