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John Lennon, Rock’n’Roll, 1975

Produzent/ Phil Spector, John Lennon

Label/ Apple Records

Back to the roots‘ hat John Lennon sich wohl gedacht, als er Mitte der 70er Jahre dieses Album mit Coverversionen von Klassikern aus seiner Jugendzeit einspielte. Und dass seine Stimme für Coverversionen rauer Rock’n’Roll-Nummern sehr gut geeignet ist, hat er ja auch schon bei den Beatles z.B. bei den erstklassigen Interpretationen von „Rock’n Roll Music“ oder „Twist And Shout“ bewiesen.

Trotzdem ist meiner Meinung nach das Album nur als ordentlich zu bezeichnen. John Lennon singt die meisten Songs zwar recht gut, aber auch mit angezogener Handbremse. Herausragend ist nur seine eigenwillige und fast magisch anmutende Version von Ben E. King’s-Klassiker „Stand By Me“. Sehr gut sind auch Gene Vincent’s „Be-Bop-A-Lula“, das die Beatles auch schon zu Hamburger Zeiten im Repertoire hatten, und Fats Domino’s „Ain’t That A Shame“. Durchschnittlich ist Bobby Freeman’s „Do You Wanna Dance?“, das man auch schon besser gehört hat und richtig dürftig ist Lloyd Price’s „Just Because“, das schon im Original nicht der grosse Brüller ist.

Eine Wiederentdeckung wert ist das etwas rumpelige „Rock’n’Roll“-Album aber alleweil, auch wenn sich Lennon und Spector während den Aufnahme-Sessions nicht gerade auf der Höhe ihres Lebens und ihres Schaffens befanden. Die Beiden sollen sich in den A&M Records Studios in Hollywood, aufgrund von exessivem Alkohol- und Drogenkonsum so schlecht benommen haben, dass sie hinausgeworfen wurden, unter anderen auch weil der grössenwahnsinnige Spector mit einer Knarre im Studio hantierte und sogar einmal schoss. Die weiteren Aufnahmen fanden dann in den Record-Plant West Studios in New York statt.

5 Gedanken zu “

  1. „Stand by me“ ist wirklich fantastisch. Insgesamt wirkt das Album aber, als habe man zwischendurch den Glauben an das, was man da vor hat, ein wenig verloren. Es gibt Nummern, bei denen Rock’n Roll entstaubt wird und andere, bei denen er fast persifliert wird. Insgesamt ist es nicht stimmig. Trotzdem ist Lennons Stimme manchmal so schneidend, wie man sich das nur wünschen kann.

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  2. Wenngleich dieses Album etwas durchwachsen ist und generell den fantastischen Rock & Roll Interpretationen der Beatles etwas hinterherhinkt, zeigen seine Höhepunkte gleichwohl, daß John Lennon der geborene Rock & Roller war. Dies war die Musik, die er nach eigenen Aussagen wirklich liebte.

    Nach der Auflösung der Beatles hat er in einem Interview gesagt, daß das, was die Beatles vor ihrem großen Ruhm während der Hamburger Zeit gespielt hätten, der wahre Rock & Roll und ihre beste Musik gewesen sei. Nun ja, sicherlich reflektierte dieses Statement auch ein gutes Stück Verbitterung über das unharmonische Ende der Beatles.

    Meine Lieblingsnummer auf dem Album ist definitiv „Stand By Me,“ eine super Coverversion des Klasse Originals von Ben E. King. Ebenfalls sehr gut gefällt mir „Bring It On Home to Me/Send Me Some Lovin'“ und die clevere Art und Weise wie Lennon die beiden Stücke kombiniert hat.

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    1. Natürlich ist „Rock ’n‘ Roll“ kein wirklich schlechtes Album, aber John Lennon interpretiert hier nur alten Rock’n’Roll. Die frühen Beatles kümmerten sich nie darum, ob sie die Musik richtig interpretierten, solange sie das Gefühl dazu hatten. Lennon kann zwar die Musik richtig wiederherstellen, aber nicht mehr das Gefühl einfangen. Deshalb klingt sein Album oft wie Musik auf der Suche nach einem Höhepunkt, der nie kommt.

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