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Frank Zappa, Freak Out, 1966

Produzent/ Tom Wilson

Label/ Verve

So sperrig; so schön. Die erste Platte der bereits von Frank Zappa konzeptionell dominierten Mothers Of Invention ist in vielerlei Hinsicht ein Meisterwerk. Zappa und Co. machen in diesem Monument darauf aufmerksam, das Rock sich nicht nur in sich selbst weiterentwickeln muss, wie das im Wettstreit zwischen den Beatles und den Beach Boys passierte, sondern in Kombination mit Einflüssen aus allen nur erdenklichen Genres von neuer Musik über Jazz bis Doo Wop völlig neue Ideen triggern kann. Dabei lässt Zappa kein Klischee aus und schrammt an manchen Stellen hart an der Grenze zum Plagiat vorbei, doch aufgrund ihrer tollkühnen Kombinationen und rasanten Abfolge verlieren diese Gemeinplätze alles Klischeehafte. Diese Montagetechnik hatten zwar auch schon die Beach Boys angewandt, die den Sound der Mothers hier nachdrücklich beeinflusst haben dürften – was sich nicht zuletzt an den Backing Vocals hören lässt -, ist jedoch nie zuvor so radikal angewandt worden.

Obwohl alle Kompositionen von Zappa stammen, treten die Mothers hier noch als homogene Band auf. Mit Roy Estrada, Jimmy Carl Black, Ray Collins und Elliot Ingber stehen Zappa vier uneitle Klang-Freaks zur Seite, zu den zahlreichen Gästen gehören unter anderem Kim Foley, der damals noch völlig unbekannte Dr. John, Jazz Pianist Les McCann und Mundharmonika-Spieler Paul Butterfield. „Freak Out!“ belegte von Anfang an Frank Zappas Anspruch, nach ungewöhnlichen Konzepten zu suchen und sich selbst vom avantgardischen Mainstream seiner Zeit komplett abzugrenzen. Die Doppel-LP hört sich in ihrer Sperrigkeit zwar nicht einfach so weg, und doch jagt sie in dichter Folge von Höhepunkt zu Höhepunkt. Das einen Monat nach Bob Dylans „Blonde On Blonde“ veröffentlichte zweite Doppelalbum der Rockgeschichte erschien in Deutschland und in der Schweiz übrigens zunächst nur in einer abgespeckten Version als Einzel-LP.

6 Gedanken zu “

    1. Und gerade in diesem Punkt – vielleicht überraschenderweise – unterscheidet sich „Freak out!“ von dem „mainstreamigen Beatles-Geplätscher und konventionellen Folkrock“. Dieser LP hört man nicht nur nicht an, dass sie vor über 50 Jahren in die Welt gesetzt wurde, nein: Ich bin sicher, noch heute würde diese Scheibe wie eine Bombe einschlagen.

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      1. Das kann ich mir auch gut vorstellen. Aber nicht nur „Freak Out!“, viele andere Arbeiten von Zappa aus der Zeit unterscheiden sich oft weitgehend vom Pop-Mainstream jener Jahre, Gottlob.

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