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The Allman Brothers Band, Idlewild South, 1970

Produzent/ Tom Dowd

Label/ Atco Records

Ein kurzes Album, und doch läuft die Band in dreissig Minuten dermassen zur Höchstform auf, dass es keiner weiteren Tracks bedarf. 1970 war es übrigens noch keineswegs eine Selbstverständlichkeit, dass eine „gemischtrassige“ Band im Südosten der USA unterwegs war. Die Allman Brothers Band, hier noch mit Bandgründer Duane Allman, inszeniert ihre Mischung aus Blues, Jazz, Latin, Country, Gospel und Hardrock nicht als einvernehmlichen Heile-Welt-Mix, sondern erarbeitet Ecken, Kanten und Reibungsflächen heraus.

Die musik der Allman Brothers war von Anfang an der Sound des „ganzen Amerika“ mit all seinen Konflikten. Duane Allman, der auf dem Album nicht als Komponist in Erscheinung tritt, lässt seine einzigartige Virtuosität auf der Slide-Gitarre nur gelegentlich aufblitzen. Live waren sie neben den Grateful Dead längst zu einer Institution der Solo- und Kollektiv-Improvisation geworden, was sie ein Jahr später auf „At Fillmore East“ auch für die Nachwelt dokumentieren sollten. Doch „Idlewild South“ besticht gerade durch die spielerische Zurückhaltung der Band. Selbst beim instrumentalen, leicht Bossa-beeinflussten „In Memory Of Elizabeth Reed“, das sie im Konzert auf vierzig Minuten auszudehnen wussten, kommen sie mit knapp sieben Minuten zurecht. Zwischen elektrischem Drive und akustischer Lagerfeuer-Stimmung findet die Band immer den optimalen Ausgleich, wie auch zwischen der Leichtigkeit und dem Fluss der Improvisationen auf der einen und der Schwere und Erdigkeit des Sounds auf  anderen Seite. Willie Dixons harter und energiereicher Blues „Hoochie Coochie Man“ reiht sich ohne Bruch in die Eigenkompositionen der Band ein – fast alle Songs sollten später zum Standardrepertoire der Allman Brothers gehören.

„Idlewild South“  ist nicht weniger als der aufs Minimum reduzierte Katalog der maximalen Möglichkeiten einer Band, die das Musikgeschehen phasenweise über die nächsten Jahrzehnten prägen sollte.

14 Gedanken zu “

  1. Die Allman Brothers waren schon eine irre Truppe, und dieses Album ist eine wahre Perle!

    Aus heutiger Sicht kann ich es kaum fassen, daß ich die Band erst vor ein paar Jahren „entdeckt“ habe – glücklicherweise noch rechtzeitig, um sie zumindest einmal live zu sehen, ein paar Monate vor ihrem New Yorker Abschlusskonzert im Beacon Theater. Es war ein Sommerkonzert in einem relativ kleinen Amphitheater – ein unvergessliches Erlebnis.

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    1. Habe ich leider nie auf der Bühne gesehen. Auch ein Konzert von Gregg Alllman auf seiner deutschen Visite vor ein paar Jahren hab ich verpasst. Aber wie heisst es so schön: man kann ihm Leben nichts nachholen, nur versäumen.

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