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Van Morrison and The Chieftains, Irish Heartbeat, 1988

Produzent/ Van Morrison, Paddy Moloney

Label/ Mercury

Die 80er Jahre waren für Van Morrison nicht unbedingt die besten seiner Karriere. Einige Alben klangen mehr nach New Age als nach dem Van Morrison der 60er und 70er Jahre, der mit seinen Songs immer wieder die Grenzen zwischen Soul, Jazz, Folk und anderen Stilen übersprungen hatte. Mit den Chieftains, den grossen alten Wissenschaftlern irischer Folklore, war dem „Belfast-Cowboy“ hier endlich wieder eine Heimkehr vergönnt. Die Chieftains haben strenge musikalische Fomen anzubieten, deren Autorität dem stimmlichen Solipsismus Morrisons etwas entgegensetzt, ihn daran hindert, schlechtgelaunt und perfektionistisch über sich zu sinnen (und wenn der Moment kommt, wo es angebracht ist, mit der Stimme zu improvisieren, legt er hier nach langer Zeit endlich wieder mal los, wird wildes Vieh, nicht Sänger mit Markenzeichen).

Auf dem Programm stehen grösstenteils melancholische Balladen über das Abschiednehmen, wie etwa „Carickfergus“ über einen heimwehkranken Menschen kurz vor dem Tod oder „Tá Mo Chleamhnas Déanta“ über einen Mann, der die wahre Liebe sucht, nur um dann festzustellen, dass die zu ihm passende Frau schon über den Ozean ausgewandert ist.

In diesem Kontext entfalten dann auch ein paar von Van Morrisons eigenen Songs eine ganz neue und unerwartete Schönheit. Der Titelsong etwa war schon 1983 auf „Inarticulate Speech of the Heart“ erschienen. Dort allerdings ging das Lied ziemlich unter. Hier mit ganz anderem musikalischen Kleid stellt man fest: Musikalisch ist Van Morrison niemals wirklich aus Irland weggegangen, egal welche Musik er auch spielte. Das Lied bekommt hier endlich den Raum, um sich völlig neu und ohne Ballast zu entfalten. Ein wunderbarer Moment! Und Morrison ist plötzlich wieder der grosse arme kleine Mann, der im Wind steht, der über grosse und kleine Inseln fegt, Nebel vor sich hertreibend.

8 Gedanken zu “

  1. Die 80er-VM-Alben waren mir fast durch die Bank immer noch weitaus lieber als das größtenteils belanglose Gedudel, dass Van The Man seit Anfang der 2000er veröffentlicht. „Irish Heartbeat“ ist eine feine Platte und konnte dem Irish-Folk-infizierten Rabaukentum der Pogues, The Men The Couldn’t Hang, We Free Kings etc. in jenen Jahren die filigraneren Momente dieser Volksmusik entgegensetzen.

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    1. Englische Geschichte ist möglicherweise die am detailliertest aufgeschriebene, reichst kommentierte und zudem die einzige europäische, die, zusätzlich zur offiziellen historischen Wahrheit, immer noch und heute sofort in Legenden umgewandelt ein zweites Leben führt. Einige der besten Fairport-Convention-Platten und einige der besten Punk-Rock-Platten erzählen Geschichten davon. Es soll also niemand behaupten, das Leben sei weniger geworden, weil die Volkslieder weniger und schlechter geworden sind.

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    1. Van Morrisson war schon immer ein scheuer, komplizierter Eigenartling. Je nachdem enstanden dabei interessante oder langweilige Platten. Ich finde „Veedon Fleece“ und „A Period of Transition“ die besten Sachen, die er aufgenommen hat. „Irish Heartbeat“ ist halt irische Folklore unter den Harfenfingern der Chieftains.

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      1. I thought this album was Van just doing the traditional thing. I listened to it yesterday and enjoyed it. He always manages to make things his own. Those albums you mention are very good. What a wealth of music Morrison has put out.

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