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Kevin Ayers, The Unfairground, 2007

Produzent/ Timothy Shepard, Peter Henderson, Gary Olson

Label/ LO-MAX

2007 tat sich Kevin Ayers, Gründungsmitglied von Soft Maschine, mit alten Kumpels und jüngeren Verehrern zusammen, um ein unspektakuläres Album einzuspielen: Musik gereift wie guter Rotwein. Dass alte Mitstreiter wie Soft-Machine-Mitbegründer Hugh Hopper, Phil Manzanera, Bridget St. John und Robert Wyatt die Gelassenheit derer, die sich nichts mehr beweisen müssen, auch an Jüngere weiter zu geben in der Lage sind, zeigen Architecture In Helsinki, Gorkys Zygotic Mynci, Ladybug Transistor, Trash Can Sinatras, Bill Wells Trio und Teenage Fanclub.

Ob es nun die ins astronomisch gestiegenen Preise für guten Bordeaux oder doch die Sehnsucht danach, das kreative Potenzial wieder einmal auszuschöpfen, gewesen sind: Was Ayers bewog nach fünfzehn geruhsamen Jahren im französischen Süden den Weg in Studios in New York City, Tucson/Arizona und London zu beschreiten, wird wohl nur er selbst oder der Himmel wissen – only heaven knows!

Bläser, Chöre und Ayers‘ Stimme: Der Takt wird vorgegeben, aber schön gemütlich – mit der für das Album charakteristischen Gelassenheit eines Mannes, der Wein, Strand und schönen Damen mehr abgewinnen kann als pekuniärem Erfolg. In die Kategorie Superstar schafft man es mit der unbekümmerten Haltung offenbar nicht: Erste Klasse fliegen liegt somit nicht drin – und die Qualität des Weins, den Ryan Air bietet, lässt zu wünschen übrig. Vielleicht ist das schon die titelgebende Inspiration: Die Ungerechtigkeit des Lebens besteht darin, dass nicht jeder weiss, wie wichtig guter Wein ist. „The Unfairground“ ist jedenfalls in keiner Weise darauf aus sich Trends anzubiedern, um vielleicht doch noch in die Luxusklasse aufzusteigen – in der Businessclass neben der Upperclass Platz zu nehmen: Dann schon lieber schlechter Wein, vorübergehend.

Man hört’s der Musik an, und die hebt sich positiv ab von vielem, was die Ohren zeitweise strapaziert. Das mag auch noch an den „Gästen“ liegen. Robert Wyatt leiht Ayers sein Wyattron, das Keyboard mit seiner gesampelten Stimme – zu hören im melancholischen „Cold Shoulder“. Phil Manzanera unterlegt mit seinen Gitarrenkünsten das grüblerische „Brainstorm“, Hugh Hopper von Soft Machine übernimmt den Bass im Titeltrack. Und Bridget St. John singt im Duett mit Kevin in „Baby Come Home“.

Trotz der – hörbaren – Mitsprache der „Gast“-Musiker hält Ayers die Zügel in lockerer Hand. Und er hat zweifellos etwas zu erzählen. Ob er in „Only Heaven Knows“ dem Tod ins Antlitz schaut, sich in „Walk On Water“ an die Ausgelassenheit seines alten Freundes Syd Barrett erinnert oder in „Run Run Run“ der Unvermeidlichkeit das Wort redet: Kevin Ayers spricht, und man ist geneigt zu hören und zu glauben, was er erzählt: Welcome to The Unfairground.

2 Gedanken zu “

    1. Kevin Ayers hat in dem südfranzösischen Dorf Montolieu gewohnt. Er hat gelegentlich auf der Terrasse vor dem Dorfcafé Gitarre gespielt. Er hat auch eine seiner Gitarren im Café gelassen mit der Aufschrift „Wer spielen will, möge spielen“.

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