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Graham Parker & The Rumour, Howlin Wind, 1976

Produzent/ Nick Lowe

Label/ Vertigo

1976 war das Jahr von Queen und Genesis, das Jahr von Alan Parson, Boston und der Eagles. Aber es war eben auch das Jahr von Patti Smith und den Ramones – und sogar der Modern Lovers. Und Pub-Rock hatte sich definitiv nicht durchgesetzt, war eine Minderheitenmusik, durch Punk in seiner Existenz bedroht. Selbst die namhaftesten Vertreter dieser englischen Kleinclub-Spezialität – Brinsley Schwarz – waren grade mit Auflösungerscheinungen befasst….und Soul hiess jetzt Disco.

1976 kommt einer daher, dem vorher nichts gelungen ist, tut sich mit den Mitglieder der Brinsleys zusammen, die sich jetzt The Rumour nennen und nimmt etwas auf, das er selbst als einen Mix aus Blues, Soul, Ska, Rockabilly, Rock’n’Roll, Rythm’n’Blues und sonstwas bezeichnet und nimmt diese LP auf, ziemlich freihändig seinem einzigen Vorbild Van Morrison nachfolgend – und doch völlig anders klingend.

Nun gibt es zwar all die aufgezählten Einflüsse auf „Howlin‘ Wind“, doch was Nick Lowe daraus mixt ist schon sehr dicht am Pub-Rock der eigenen Band und am Rythm’n’Blues und Soul angelehnt, dafür sorgt dann auch der massive Bläsersatz, der alles irgendwie in Richtung Memphis und Muscle Shoals verschiebt. Soli spielen hier keine Rolle. Sound, Gruppensound in knackig kurzen Songs ist alles was zählt. Auch Balladen der schmusigen Art stören da nur – Rasiermesserschärfe im Ganzen ist angesagt.

„Howlin Wind“  war eines der unterbewertesten Alben des Jahres 1976. Erst zwei Jahre später wurde dann das Stück „Hey Lord Don’t Ask Me Questions“ in einer neuen Version in England immerhin ein mittlerer Hit. Leider kam Graham Parker trotz toller Musik nie über den Status des Geheimtips hinaus.

14 Gedanken zu “

  1. Fantastic post…it took me a minute to figure out how to translate it to English, and quite a bit more effort to find out how to access the „like“ and „comment“ sections…but, worth it…this blog is awesome….so rich with history and anecdotes and the inside scoop. Thanks for sharing 🙂

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  2. Oh shit, den hab ich bei meinem Punk-Revival ja völlig vergessen. Den „Hey Lord Auftritt“ gab es als Pausenbeschallung in einem der Rockpalastfestivals. Ich glaube, das war der mit Peter Gabriel und 10 Years later, da waren alle Pausenschnipsel relativ punkig: Graham Parker, ian Dury, und damals ganz was Unbekanntes, was sich U2 nannte….

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    1. Parker und Dury waren ja beide Underdogs. Aber während Parker seine kompromisslosen Tiraden mehr als Katharsis benutzte, gaben Dury und die Blockheads in ihrem Repetoire schon mal brachiale Kirmesmusik zum besten. U2 habe ich schon immer für eine echte Scheissgruppe gehalten…

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      1. Juhu – für den letzten Satz. Das ging mir ähnlich. Allerdings zu „Achtung Baby“ Zeiten fand ich sie kurz gut.Wegen der verfremdeten Gitarrensounds – und „One“ gefällt mir halt.

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    1. Die frühen Sachen von Graham Parker haben eine emotionale intensität. Seine düsteren, sarkastischen Texte duldeten zwar keine Weltsicht ausser der eigenen. Aber im Gegensatz zu den No-Future-Punks sah er die Rock-Musik als ein Mittel zur Befreiung aus privaten Zwängen.

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      1. His status as one of the most underrated songwriters will not change, because Parker has now reached the age of retirement. His last album „Mystery Glue“ (2015) is a good contribution to the Parker-discography, soulful and intelligent, snappy and human.

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