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Kevin Rowland & Dexy’s Midnight Runners, Too-Rye-Ay, 1982

Produzent/ Kevin Rowland, Clive Langer, Alan Winstanley

Label/ Mercury

Nach der ersten LP „Searching For The Young Soul Rebels“ hatte Kevin Rowland diverse Image-Wechsel und einen Verschleiss von gut zwei Dutzend Begleit-Musiker. Dass seine Band jetzt in Latzhosen und mit künstlichem Strassenschmutz an den Wangen herumlief, tat Rowlands Arbeiterklasse-Alkohol-Revolutions-Religions-Soul keinen Abbruch.

Er hatte dabei einem Mann Tribut gezollt, dessen Gesangsstil er schon auf der ersten LP zitierte: Van Morrison. Nicht nur dass er dessen „Jackie Wilson Said“ coverte, auch der dramatische Aufbau von „Until I Believe In My Soul“ ist der Live-Version von „Cypress Avenue“ nachgebaut, das plötzlich eingeworfene Saxophonsolo im selben Stück, mit Walking Bass ist eine Idee aus Van Morrisons „Snow In San Anselmo“ und den irischen Folk-Slogan „Too-Ry-Loora-Toora-Loo-Rye-Aye“ hat Van Morrison ebenfalls schon erwähnt. Rowlands orientiert sich allerdings nicht an der mystischen Phase Morrisons, sondern an dem jungen, stürmischen, souligen Morrison also von „Moondance“ bis etwa „Hard Nose The Highway“. Er verwendet dessen Art, Streicher-Sektion und Bläser gegeneinander auszuspielen und pendelt wie dieser zwischen naiver Pop-Religiösität und souligem Strassenschmutz.

So viele Roots, so viele Verweise – und dennoch ist „Too-Rye-Ay“ ein ganz und gar eigenes Album. Eine Antwort auf Selbstzweifel und Verlorenheit und auf die Angst vor agressiven Images Anfang der achtziger Jahre (Rowland traut sich wirklich „over the top“, wenn er sich im Folk-Künstler-Latzhosen-Lederwesten-Outfit, trist kauernd, für das fotorealistische Cover porträtieren lässt). Man muss wirklich mit Übertreibungen nicht geizen: so sind Dexy’s Midnight Runners gedacht. Immer zu dick aufgetragen, immer völlig hingegeben an süsse Melodien und aggressive Macho-Bläsersätze (die Musik stammt zum grossen Teil vom Posaunisten Big Jim Paterson) und immer furchtbar traurig oder himmlisch-besoffen-glücklich.

„Too-Rye-Ay“ ist ein grosses, gereiftes, abgehangenes Meisterwerk mit tiefem manieriertem Roots-Soul. Das Album enthält neben den beiden Hit-Singles „Celtic Soulbrothers“ und „Come On Eileen“ die ebenfalls bekannten Titel „Plan B“ und „Liars A To E“.

5 Gedanken zu “

    1. Ich finde das Album auch toll. Es strotzt nur so von Energie. Die Hauptakzente werden zwar von den Bläser gesetzt, aber daneben hört man Schlagzeug, Gitarre, Banjo, Keyboard, Flöte und Geigen. Und natürlich Rowlands fiebriger Gesang, der so manch elaborierten Schmalztenor alt aussehen lässt.

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  1. Ehrlich gesagt kannte ich lediglich „Come On Eileen“ von Dexy’s Midnight Runners, was ich schon immer eine gelungene Kombination aus Folk and Pop fand. Mein erster Eindruck vom Rest des Albums ist ebenfalls positiv. Die Stuecke mit ihrem Groove und der gute Laune Stimme haben etwas ansteckendes!

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    1. „Come on Eileen“ ist der grosse Klassiker von Dexy’s Midnight Runners geworden. Aber natürlich ist das ganze Album „Too-Rye-Ay“ mit dieser Mischung aus Northern Soul und traditioneller irischer Folk-Musik sehr eindrucksvoll.

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