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Alex Chilton, Bach’s Bottom, 1981

Produzent/ Alex Chilton

Label/ Libe Records

Alex Chilton lebte für die Musik, für amerikanische Spielarten von Rock’n’Roll, um es etwas genauer zu sagen. Sein Problem war, dass er nie einen Song im Sinne konventioneller Geschmacksvorstellungen zu Ende brachte. Er arbeitete mit bekannten Formen: Country-Rock, Byrds-mässiges, Velvet-haftes. Aber er weigerte sich seine Songs zu vollenden. Sie brökeln ab, wie auf Velvet Undergrounds „White Light/ White Heat“. Oder sind absolut schräg gemixt. Oder werden durch plötzliches, enthusiastisches Geplapper unterbrochen.

In den Sechziger Jahren war Alex Chilton der sechzehnjährige Wunderknabe der Box Tops, deren grösster Hit „The Letter“ noch heute weitgehend bekannt ist. In den siebziger Jahren machte er drei erfolglose aber sehr gute Platten mit seiner Gruppe Big Star. 1979 erschien sein zusammen mit Jim Dickinson aufgenommenes „Like Flies On Sherbert“. Für mich sein bestes Werk. Undurchsichtige aber wunderschöne, bizarre Pop-Kompositionen, immer auf des Messers-Schneide.

Als Chilton die Cramps in Memphis produzierte, erinnerte sich mancher wieder an ihn, aber es hiess, er sei seit einem Jahr unerreichbar und spurlos verschwunden. „Bach’s Bottom“ sind Aufnahmen von 1975. Sie werfen ein Licht auf die ungeduldige, gehetzte Arbeitsweise Chiltons. Wie er unbändig mitten in einem Song anfängt zu brabbeln oder einen flotten euphorischen Pop-Song in kakophonem Krach enden lässt, wie er sich Rolling Stones-, Beatles- und Cochran-Klassiker zu eigen macht, lässt keinen daran zweifeln dass er es hier mit einer einsamen Lichtgestalt der Rockmusik zu tun hat. Chiltons ambivalentes Verhältnis zur amerikanischen Rockmusik, seine Hassliebe zum Song, sagen alles über diese Formen selbst.

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