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P J Harvey, Man-Size, 1993

Text/ Musik/ PJ Harvey

Produzent/ Steve Albini

Label/ Island Records

P J Harveys „Man-Size“ verwaltet Adoleszenz-Emotionen der gehobenen Sorte mit der geboteten Sorgfalt, will sagen: hocherotisch, hochkomplex und sick of postmodernism. Die Direktheit und Gereiztheit dieses Liedes lässt sich nicht das intellektuelle Vergnügen einiger formaler Scherze nehmen. Das gehört erstens zur gehobenen Mit- bis Endzwanzigergrundausstattung und muss zweitens entstehen, wenn jemand wie Polly Jean Harvey mit einem Produzenten wie Steve Albini zusammenkommt. Das Prinzip, formale Strenge, (abstrakter Titel, aber kontrastierter Songablauf, Konzentration auf wenige, aber heftige Stilmittel) unemotionale Dichte (Steigerungen, Dramatik, extreme Lautstärke und Tempogegensätze) sich gegenseitig zuarbeiten zu lassen (mithin Poesie zu schreiben) ist hier erfolgreich im Einsatz zu beobachten.

P J Harvey war die Indie-Lieblingsfrau der 90er Jahre. Sie verbreitete damals durchaus das Gefühl neuer und neu eroberter Möglichkeiten „individuellen Ausdrucks“. Da war in den 80ern solange abgearbeitet, zitiert und relativiert worden, dass man ein Jahrzehnt später plötzlich richtig frisch aus dem Schatten von Captain Beefheart und Patti Smith treten konnte und das Rock-Individuum neu erfinden. Aber wahrscheinlich können das nur Frauen (Gegenbeispiele sind kaum bekannt).

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