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Mink DeVille, Coup de Grâce, 1981

Produzent/ Jack Nitzsche, Willy DeVille

Label/ Atlantic

Willy DeVille hatte sich seit dem Debütalbum „Cabretta“ seiner Band Mink DeVille als der ultimative King der Ballade etabliert. Romantischer, männlicher, verletzlicher und theatralischer klang davor und danach kaum ein anderer. Nach den ersten drei Alben wechselte die Band zum Label Atlantic und bekam mit Jack Nitzsche einen erfahrenen Produzenten.

„Coup de Grâce“ ist kein so riskantes, im Pathos schamlos bis an die Grenzen gehendes Experiment in Pop-Stilistik wie das voraufgegangene Meisterwerk „Le Chat Bleu“. Trotzdem entpuppt sich die Platte mit ihren grandiosen Rock-Balladen, den unverkennbaren Einflüssen von Cajun Music und mexikanischer Folklore („End of the Line“, „Love and Emotion“), mit bluesgefärbtem Hard Rock („Love Me Like You Did Before“) und den Querverweisen auf die große Ära der Drifters und anderer schwarzer Vokalgruppen („You Better Move On“, das auch den jungen Mick Jagger einmal fasziniert hatte) schon bald als das kaum weniger eindrucksvolle Album.

Die Produktion fiel etwas kühler und vielleicht auch „kommerzieller“ kalkuliert aus als die von „Le Chat Bleu“, manche der Songs wären im selben Sound auf der Debüt-LP oder auch „Return To Magenta“ denkbar gewesen. Aber diese Art von Rückschritten schmälert nicht die Leistung der Band und schon gar nicht die des Sängers: Willy DeVille ist einer der absolut überragenden und seelenvollsten Rock-Sänger in der ganzen Geschichte dieser Musik, so einzigartig wie Elvis Presley 1954 bis 1957, John Lennon in seinen Sternstunden oder Rod Stewart auf seinen ersten beiden Solo-Platten.

6 Gedanken zu “

    1. Ja, Willy DeVille hatte ein ausgesprochenes Gespür für einfache, aber eindringliche Melodien. Er war auch Live ein aussergewöhnlicher Sänger, der die Kunst der Phrasierung perfekt beherrschte.

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  1. War auch die Platte, die er damals aktuell bei seinem Rockpalast-Auftritt am Start hatte. Kam leider beim Grugahallen-Publikum nicht so toll an, obwohl es ein exzellenter Auftritt war. Live war er immer ein Genuss, der geborene Entertainer eben.

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    1. Den Rockpalast-Auftritt seinerzeit mit Willy DeVille habe verschlafen. Ich habe ihn dann 1995 live auf der Bühne erlebt. Damals war der Schmelz bereits passe, und er setzte verstärkt auf seine Qualitäten als Blues-Shouter. Seine Mariachi-Version von „Hey Joe“ hat es in sich.

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      1. Ich hab ihn glaub ich an die fünf mal live gesehen, am stärksten war er konzertant Anfang der Neunziger mit der Präsentation der New-Orleans-Blues-Scheibe „Victory Mixture“. Auch im angetrunkenen Zustand hat er seine Auftritte noch relativ souverän gemeistert… ;-)))

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