TAJ-MAHAL.jpg

Taj Mahal, Like Never Before, 1991

Produzent/ Skip Drinkwater

Label/ Private Music

Als Taj Mahal in den frühen Siebzigern vom seinerzeit lukrativen Blues zu seinen „Roots“ in Reggae und Calypso umschwenkte, hatte er plötzlich keinen Major-Deal mehr. Anfang der neunziger Jahre schien sich das Mainstream-Interesse und Mainstream-Geld wieder Taj Mahal anzunähren. Plötzlich konnte er sich Hall & Oates, die Pointer Sisters, Dr. John und alles, was an Studio-Muckern gut und teuer ist, leisten; sogar DJ Jazzy Jeff steuerte ein ziemlich einmaliges Scratch-Solo bei.

Taj Mahal, der ja im Grunde genommen immer eher Songwriter und Forscher als Vertreter eines Genre war – seine Doppelalbum-Hälfte „De Ole Folks At Home“ ist Veranschaulichung der ländlichen schwarzen Kultur der Südstaaten vor Blues immer noch einzigartig – kommt zwar auch mit dieser einigermassen geglätteten, aus verschiedenen, in Amerika verallgemeinernd „Roots Music“ genannten Traditionen (Delta-Blues, Little-Feat-Gitarre, Honk-Tonk-Piano, New orleand Bass etc.) zusammengewürfelter Musik gut zurecht, aber trotz Neubearbeitungen eigener alter Songs („Cakewalk Into Town“, „Take A Giant Step“), einer Version von John Martyn und anderer konzeptueller Leistungen, hätte man sich doch etwas mehr Konzentration und weniger teures Musiker-Hullygully und Studio-Gute-Laune gewünscht. Neben dem Klang der grundangenehmen Stimme Taj Mahals bleibt uns sein geniales Stück „Squat That Rabbit“.

5 Gedanken zu “

  1. Wohingegen Taj Mahal dafür kritisiert worden ist, daß viele seiner Stücke kein „purer“ Blues sind, macht für mich gerade die Tatsache, daß er nicht in rigiden Schubladen denkt und den Blues häufig mit anderen Genres mixt, den Reiz seiner Musik aus. Auf diesem Album sind es insbesondere Soul („River of Love“), Reggae („Scattered) und Rap („Squat That Rabbit“), die die Musik bereichern.

    In einem Interview mit PBS vor ein paar Monaten gab Mahal eine einleuchtende Erklärung für seinen Ansatz ab. Er ist mit vielen verschiedenen Musikstilen aufgewachsen, die ihm von daher nicht fremd sind.

    Gefällt 1 Person

    1. Ich gebe dir vollkommen recht: Taj Mahal bekam nie die Anerkennung, die ihm aufgrund seiner Experimentierfreudigkeit zugestanden wäre. An einen Titel wie „Squat That Rabbit“ würden sich andere Blues-Veteranen wohl nie heranwagen, denn es gehört schon Mut dazu, den Blues-Freaks mit ihren teilweise eingefahrenen Hörgewohnheiten einen Texas-Boogie mit discotauglicher Vinyl-Scratching- Garnitur anzubieten. Auf „Like Never Before“ wechselt Taj Mahal ja von Stück zu Stück den Stil, aber man hat nie Eindruck, er wolle in alle Marktnischen hineinschnuppern. Er selber lehnt – vielleicht nicht ganz freiwillig – jede Zusammenarbeit mit Major-Labels aus ideologischen Gründen ab.

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s