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Ray Davies, Other People’s Lives, 2006

Produzent/ Ray Davies

Label/ V2

Daran hatte kaum einer mehr geglaubt, dass Ray Davies ein Solo-Album (sein erstes nach den Kinks) produzieren würde. Das Idol und Vorbild aller (nicht nur britischen) Songwriter beschreibt auf „Other Peolpe’s Live“ seine Erfahrungen eines Aufenthalts in New Orleans. Doch seine Musik und seine elegante Erzählensweise sind typisch britisch geblieben. Mit der Lebensweisheit eines 61 jährigen erzählt er Geschichten aus dem Leben eines Touristen, den Vororten oder dem Leben, dass weiter geht.

Musikalisch ist das Album neben den grossartigen Songs ein klassisches Rockalbum. Doch was für eines: Kraftvolle Riffs, elegante Bridges, einnehmende Melodien und immer wieder kraftvolle Backgroundchöre: schon der Opener „Things Are Gonna Change“ zeigt die Klasse dieses Mannes. Oder der Alt-Country von „The Getaway“. Oder das mit Folkgitarre startende „All She Wrote“, welches dann im Funkrock endet. Oder der Titeltrack mit seinem Latinrock-Einschlag.

Insbesondere der Gesang von Davies ist fein nuanciert, berührend und ausdrucksstark. Immer wieder werden Anklänge an die erste Zeit der Kinks hörbar. Ein kurzer Gitarrenriff a la Lola; eine Chorpassage, die an „Waterloo Sunset“ erinnert; ein Bläsereinsatz ähnlich „Sunny Afternoon“.

Während andere Altmeister sich damit begnügen, mit den bewährten Hits durch die Gegend zu touren, steigert Ray Davies seine Qualität. Das ist kein „Alterswerk“ – vom ersten Stück weg rockt Ray Davies mit voller Power los. Wie schon seinerzeit auf der „Something Else“ werden hier verschiedenste Musikstile integriert. Das klingt gleichzeitig altbekannt, dabei aber keinesfalls altmodisch oder ewig-gestrig.

9 Gedanken zu “

    1. Danke! Auch mich haben auf „Americana“ nur wenige Stücke angesprochen oder irgendwie berührt. Sicherlich ist es schwierig nach fast 60 Jahren Popmusik und hunderten Songs noch etwas Neues, Originelles zu ersinnen, das im Gedächtnis bleibt.

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  1. Mir fällt bei diesem Album und den dazugehörigen Bildern auf, dass wir damals, als die Kinks, Who und wer auch immer berühmt wurden, die Individualität der Künstler überhaupt nicht wahrgenommen haben. Schon als Modelle für Verhalten oder Aussehen, aber eben nicht hinsichtlich ihrer künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten. Es waren Rockstars, ihre Musik war mehr oder weniger gut, mehr oder weniger mein Geschmack.

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    1. Man sucht als Jugendlicher nicht nur den Stil, sondern auch etwas Ungeplantes, Echtes in der Musik. Nach einem über fünfzig Jahren währenden Zyklus lässt sich nicht mehr alles neu erfinden. Und vielleicht verliert ein Künstler ja genau wie seine Fans mit zunehmendem Alter allmählich die Begeisterung für das Theater der Posen. Schliesslich schauen Pensionisten meist auch nicht mehr so gern in den Spiegel wie junge Clubgänger.

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  2. Basierend auf den beiden hier vorgestellten Songs klingt dies nach einem vielversprechenden Album von Ray Davies – im Gegensatz zu seinem letzten Werk „Americana,“ was mich zumindest nach ein paar Durchlaeufen nicht besonders beeindruckt hat. Am besten gefaellt mir nach wie vor die Musik, die Davies mit den Kinks in den 60er Jahren gemacht hat.

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    1. Das Erstaunliche an „Other People’s Live“ ist für mich die Frische und Wandlungsfähigkeit von Davies Stimme. Die Band spielt adäquat gut. Die Texte sind witzig und intelligent. Sein letztes Album„Americana“ mit dieser Diskrepanz zwischen US-Tingeltangel-Musik und den ironischen Texten ist mir hingegen oft zu klischeehaft.

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