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Bob Dylan, Highway 61 Revisited, 1965

Produzent/ Bob Johnston

Label/ Columbia Records

Seit dem Skandal bei der Premiere von Strawinskys bahnbrechendem „Le Sacre du Printemps“ 1913 in Paris hat wohl kein musikalischer Umbruch soviel Aufruhr gestiftet wie Bob Dylans Auftritt mit der elektrischen Gitarre auf dem Newport Folk Festival im Juli 1965. Doch die Kritik der Puristen erstickte im überschwenglichen Lob, als einen Monat später „Highway 61 Revisited“ herauskam.

Mit der Verwandlung vom akustischen Folksänger zum Rocker mit elektrischer Gitarre stellte Dylan die Regeln der Pop-Musik auf den Kopf. Es hatte bereits mit der A-Seite von „Bringing It All Back Home“ angefangen. Ein Hit wie die wirbelnde Hymne „Like A Rolling Stone“ musste nicht mehr in das Drei-Minuten-Limit passen.

Gebildete und kunstvolle Lieder wie „Just Like Tom Thumb’s Blues“, die Strophen zum Mitsingen quasi wegradierten, hatten riesigen Erfolg und etablierten Dylan als dominante Figur in der Rockmusik. Obwohl Dylans Stimme selten ernster und kraftvoller geklungen hatte, gab sie nicht den Ausschlag. Es war entscheidend, was er sagte, nicht wie er es sagte – ein echter Paradigmenwechsel für das Genre.

Die Platte wurde diskutiert und kritisiert wie kein Popalbum zuvor. Aber „Highway 61 Revisited“ hört man am besten ohne allzuviel analytische Theorie. Auch ohne literarische Referenzen ist der Adrenalinschub von „Tombstome Blues“ und „From A Buick 6“ ein wahrer Genuss. Das mag der Grund gewesen sein, warum sich Dylan dem Rock’n’Roll zugewandt hat.

2 Gedanken zu “

  1. Dieses Album ist ein gutes Beispiel, warum man die Musikkritiker zuweilen am besten ignorieren sollte. Analyse hin, Analyse her, letztlich kommt es darauf an, ob einem die Musik persoenlich zusagt oder nicht. Was ein cleverer Kritiker zu sagen hat, ist absolut zweitrangig.

    Fuer mich ist Dylan ehrlich gesagt ein Kuenstler, der beides gemacht hat – gute und beschissene Musik, und dies ist voellig in Ordnung.

    Was diese Scheibe angelangt, ist es definitiv eines meiner Lieblingsalben, die ich von Dylan kenne. Neben „Like a Rolling Stone“ gefallen mir inbesondere der Titelsong und „Ballad of a Thin Man.“

    Gefällt 3 Personen

    1. Dylan war oft vor allen anderen. Insofern kann man niemanden einen Vorwurf machen, an Dylan exemplarisch zu diskutieren, was es mit den Besonderheiten der Pop-Musik generell auf sich hat. Schon „Like A Rolling Stone“ war ein verstörendes Monument, dessen Text man nicht verstehen musste, um zu wissen was der Song sagen wollte. Allein diese ungeheure Musik, ihre aufsteigende Akkordfolge, die unerträgliche Spannung, bevor alles in diesem wuchtigen, von schwerer Hammond und rauen Gitarren Refrain explodierte: „How does it feel?“.

      Dylan gegen den Rest der Welt. Diese Über-Subjektivität hatte seine Musik als Musik des Protests oder der Subkultur geadelt. Es ist eine weit verbreitete Vorstellung meiner Generation, Dylan noch heute in diesem Format zu würdigen. Und ich muss mir gegenüber zugeben, ich mache es genauso. Deshalb spüre ich einen vertrauten, aber auch etwas üblen Geschmack auf der Zunge, wenn man über Dylan spricht. Und die Tatsache, dass Dylan beides gemacht hat – gute und schlechte Musik – ändert daran überhaupt hichts.

      Gefällt 1 Person

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