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The Rolling Stones, 12×5, 1964

Produzent/ Andrew Loog Oldham

Label/ London Records

Dass das zweite Stones-Album in den USA bereits im Oktober 1964, ein halbes Jahr nach dem Debütalbum, erschien, noch bevor sie in ihrem Heimatland ein Nachfolgealbum veröffentlicht hatten, mag rückblickend erstaunlich sein, erklärt sich aber durch die Tatsache, dass dort mittlerweile die EP „5×5“ erschienen war.

Die fünf Aufnahmen: „If You Need Me“, „Empty Heart“, das Instrumental „ 2120 South Michigan Avenue“, „Confessin‘ The Blues“ und „Around And Around“ waren im Juni 1964 in den Chess-Studios in Chicago entstanden, und sie bildeten auch das Gerüst der (in Anlehnung an den EP-Titel) „12×5“ benannten LP. Es sind denn auch die inspiriertesten Aufnahmen auf dem Album.

Chuck Berry soll gesagt haben, dass die Stones-Version von „Around And Around“ sein Lieblingscover eines Chuck-Berry-Songs sein soll, was man gut nachvollziehen kann! Wegen der Inspiration, die die Stones offensichtlich aus den Chess-Studios bezogen und nicht zuletzt auch wegen dieses Klangunterschiedes können allerdings die übrigen Aufnahmen aus den britischen Studios nicht ganz mithalten: das unausgegorene „Grown Up Wrong“ fällt gegen den Rest ab, das überstürzte „Suzie Q“ war schon keine Perle, bevor Creedence Clearwater Revival vier Jahre später die definitive Version davon veröffentlichten, und auch „Congratulations“ zeigt die Stones nicht auf der Höhe. „Under The Boardwalk“ von den Drifters haut schon wieder viel besser hin, auch wenn es zeigt, dass Jagger sich erst Jahre später um Gesangstechnik bemühte. Es war kein Zufall, dass die Hitsingle „It’s all Over Now“ ebenfalls aus den Aufnahmen in Chicago stammte. Seine B-Seite, „Good Times, Bad Times“, ist für mich eine der stärksten B-Seiten der frühen Stones.

11 Gedanken zu “

      1. Yep, mir auch. Aber das alles kann eben sehr inschpirierend sein :o) :o) :o) . Ich finde ja die Wirklichkeit, das Jetzt viel spannender und manchmal sogar ziemlich mysteriös … Und außerdem: gäb’s keine Erfahrung, gäb’s keine utopische, romantische Erzählung. Surrealismus … wirkt ja in unsere Erfahrung hinein, viel mehr, als wir glauben. Und ich denke, es ist weniger geheimnisvoll als vielmehr unbekannt. (Ich war auch höchlichst erstaunt, nominiert geworden zu sein …. und dann habe ich das Geschenk darin gesehen. Aber das is‘ eben subjektiv und nicht vermittelbar und daher ist es völlig ok, dass jede/r die Dinge anders sieht. War von mir aus eben nur ein „Hey, mir gefällt dein Blog gut“ :o)

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      2. Es ist wirklich völlig ok., dass jede/r die Dinge anders sieht. Es gibt Verwandlungen die sind bloss eine Tarnung, eine List, ein bestimmtes Ziel erreichen zu wollen, andere sind sowas wie ein Job, eine Zuständigkeit. Ich denke da an den römischen Schriftsteller Ovid, der in seinem Buch „Metamorphosen“ so schön erzählt, wie Menschen zu Flüssen werden, zu Skulpturen, zu Sternblidern. Götter wiederum werden zu Tieren, zu Winden, zu Naturerscheinungen. Körperteile verwandeln sich in Saatgut, aus dem wiederum, je nachdem, Menschen oder Tiere werden.

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      3. Ja, und wir selbst verändern uns mit, immer neu entscheidend, ob wir uns tarnen wollen oder müssen, oder ob wir täuschen wollen, um Ziele zu erreichen … mich persönlich interessiert, was hinter oder unter jeglicher Oberfläche ist, denn diese können täuschen – es sind weniger die Oberflächen, die täuschen, sondern unsere eigenen Erwartungen und Vorurteile, mit denen wir den Dingen begegnen. Manchmal glauben wir dann, der andere hätte uns getäuscht, aber in Wirklichkeit will man oftmals das, was dann sich als „Wahrheit“ herausstellt, grad nicht erkennen. Die Zeichen lesen, die einen auf diverse Täuschungen hinweisen …

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  1. Chuck Berry war eher für griesgrämige Reaktionen bekannt, wenn andere Künstler seine Song „nahmen“ und damit vermutlich häufig mehr Geld verdienten als er – sicherlich ein Stück weit verständlich. Außerdem gibt es da die nette Geschichte, daß er Keith Richards einmal ins Gesicht boxte, nachdem dieser versuchte hatte Berrys Gitarre in die Hand zu nehmen! Insofern ist das erwähnte Lob an die Stones in der Tat beachtlich!😀

    Was die anderen Stücke anbelangt, ist für mich insbesondere „It’s All Over Now“ herausragend.

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    1. Chuck Berry bestimmt war bestimmt nicht einfach ein netter Mensch. Noch 1986, als Keith Richards ihm zu Ehren eine Konzertgala gab, brachte er es fertig, die versammelte Prominenz erst nach seiner Pfeife tanzen zu lassen und später zu verprellen. Vielleicht hat der Umstand, dass Generationen weisser Bands mit „seiner“ Musik Millionen verdient haben, ihn zynisch werden lassen. Vielleicht ist er auch nur dieser Boy aus St. Louis geblieben, der sich von niemandem in die Suppe spucken lässt, schon gar nicht von irgendwelchen dahergelaufenen Verehrern und Fans.

      „It’s All Over Now“ – dieser treibende Beat und der eingängige Refrain, das kommt schon stark! Das Original von Bobby Womack habe ich übrigens (wie bei vielen Stones-Songs) erst Jahre später kennengelernt.

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      1. Der Mann war schon ein wahrer Charakter, wobei sich sein Verhalten sicherlich auch maßgeblich durch die sozialen Umstände, mit denen er konfrontiert war, erklären läßt.

        Ich kann mich an einen YouTube Clip erinnern, ich glaube im Zusammenhang mit der obigen Gala, in dem er Keith Richards quasi eine Gitarrenstunde vor versammelter Mannschaft gab wie man „Carol“ richtig spielt – insbesondere die lange gehaltene Doppelnote am Ende des Hauptgitarrenthemas . Es grenzte geradezu an Komik.

        Weiterhin habe ich gelesen, daß Berry seine festen Regeln für Konzerte hatte. U.a. bestand er auf voller Bezahlung vor jedem Gig und einem Cadillac vor Ort, den er selber fuhr – offenkundig traute er keinem Chauffeur!

        Außerdem hatte er auf Tourneen keine feste Begleitband, sondern verlangte von Konzertagenten, daß diese lokale Musiker am jeweiligen Auftrittsort anheuern, die ihn dann begleiten sollten – ohne vorausgehende Probe. Dies erklärt die leider häufig sehr schwankende Qualität seiner lokalen Live-Auftritte.

        Bei alldem muß man sicherlich die gesellschaftlichen Verhältnisse in den USA in den fünfziger und sechziger Jahren berücksichtigen, insbesondere den weit verbreiteten Rassismus – ein Problem, welches leider bis auf den heutigen Tag existiert, wenngleich in mehr versteckter Form.

        Darüberhinaus war fühlte sich Berry von der amerikanischen Justiz ungerecht behandelt und war über seinen Gefängnisaufenthalt verbittert.

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      2. Die Interpretationen über Chuck Berry’s Verhalten werden wohl immer offen bleiben. Einiges mag auf die gesellschaftliche Situation der USA in den 50er und 60er zurückzuführen sein. Anderes scheint aber auch in Berry’s Charakter begründet zu sein. B.B. King, der aus ähnlichen Verhältnissen stammt, hat sich ja später richtig feiern lassen.

        Das berühmte Chuck-Berry-Riff hat schon sein weniger berühmter Vorgänger T-Bone-Walker verwendet. Auch beim berühmten „Chuck Walk“ wussten schon andere, dass eine gute Show die halbe Miete ist. Chuck Berrys geniale Leistung bestand vorallem darin, jedem Stück einen neuen Mädchennamen gegeben zu haben. Das zog im prüden Nachkriegsamerika immer, so wie er gerne Städtenamen verwendete. Mit dem Wagen unterwegs sein, in Memphis, Tennessee, Station machen, eine Bar besuchen und von den Brenda Lees, Nadines und Betty Jeans erzählen, die da draußen am Wegesrand herumlungern oder warten, das kommt der Erfolgsformel eines Chuck-Berry-Hits ziemlich nahe.

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