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David Bowie, Low, 1977

Produzent/ David Bowie, Tony Visconti

Label/ RCA Records

Europa hatte seinen extravaganten Rockstar wieder! David Bowie hatte in den USA, als Rock-Bourgeois im moderen Babylon Hollywood körperlich, mental und emotional Schaden genommen. Sicher hatte auch der Feingeist in ihm gelitten: Das Vordergründige, Glitzernde, Dekorative der amerikanischen Kultur konnte einen Ästheten wie David Bowie nur für kurze Zeit gefangen nehmen. Ihn dürstete wieder nach europäischen Einflussen, nach Expressionismus, Morbidität, Bauhaus.

Noch in seiner Zeit in Amerika hatte er sich mit den neuesten Impulsen, die aus deutschen Studiolaboratorien über die Grenzen geschwappt waren, beschäftigt: Elektronische Musik war für ihn das Gebot der Stunde. Zusammen mit Brian Eno erschuf Bowie einen für ihn radikal neuen Sound. Dieser war kälter und artifizieller als alles, was er zuvor geboten hatte. Bowie hatte im Chateau d’Hérouville, einem in den 70ern beliebten Studio im Oise-Tail in der Nähe von Paris, vollendete Kunstlieder geschaffen.

Den Groove von „Station To Station“ spürt man auf „Low“ nuch noch als verwehtes Echo. Und das auch nur auf der ersten LP-Seite. Die B-Seite der Platte mit dem Arbeitstitel „New Music Night And Day“, war für ein Experiment reserviert: Sind das Eröffnungsstück und Schlussstück von Seite 1 bereits instrumental, besteht die Albumrückseite ausschliesslich aus textfreien Synthesizer-Tracks. Anders als bei den fiebrigen, gehetzten Nummern „Speed Of Life“ und „A New Career In A New Town“ hüllen Bowie und Eno sowie Produzent Tony Visconti das Album ab „Warszawa“ in eine getragene, sedativ wirkende Atmosphäre. Eine unwirkliche Oase inmitten des vorangegangen Getöses von Songs wie „Be My Wife“, „Sound And Vision“ oder „Breaking Glass“, die für sich ebenso bahnbrechend waren wie der Ambientsound der zweiten Seite.

6 Gedanken zu “

  1. Für mich ist David Bowie ein Künstler, der zwei Seiten hat.

    Die eine Seite zählt zu meiner absoluten Lieblingsmusik. Diese umfasst insbesondere seine frühen Alben, von denen ich Ziggy Stardust als den Höhepunkt betrachte.

    Die andere Seite, und zu dieser gehört „Low,“ finde ich generell eher gewöhnungsbedürftig.

    Unabhängig davon respektiere ich Künstler wie Bowie, die sich immer wieder neu erfunden haben.

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    1. Bei „Low“ werden vorallem trübe Stimmung und viel Melancholie meisterhaft in Klänge umgesetzt . Bowie war zurzeit der Aufnahmen ein abgemagertes Gespenst, gezeichnet von Drogen und Schlafentzug. Umso erstaunlicher, dass ihm hier ein ganz grosser Wurf gelang. Gleichsam einer Selbsttherapie.

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    1. Auch wenn hier Bowies desolater persönlicher Zustand (Sucht, bevorstehende Ehescheidung, Hinwendung zu menschenfeindlichen faschistoiden Theorien, etc.) mit der Mitsiebziger-Jugenddepression zusammentreffen, halte ich „Low“ für zeitlose Avantgarde, die aufgrund der abstrakten Texte und eindringlichen Stimmungsbilder wohl immer aktuell klingen wird.

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    1. „Low“ is a strange and beautiful LP. It was indeed close to Bowie’s imagined „new musical language,“ a record that helped revolutionize the sound of rock. I always liked that song „Warszawa“ – it sounds like a ultimate force.

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