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The Walkabouts, New West Hotel, 1993

Produzent/ Ed Brooks, The Walkabouts

Label/ Sub Pop

Die Walkabouts sind eine der wenigen Bands, die noch aus früheren Zeiten übrig geblieben sind, als Seattle und Sub Pop noch gleichbedeutend mit der medialen Erfindung Grungerock waren. Dass es sie noch gibt, hat vielleicht auch damit zu tun, dass sie nie richtig etwas mit „Grunge“ zu tun hatten und stattdessen einen alternativen Folkrock gespielt haben, der mit den Jahren immer ruhiger und auch experimenteller wurde, vor allem auf den Soloplatten der beiden Walkabouts-Köpfe Chris Eckman und Carla Torgerson, deren Gesang immer das Aushängeschild der Band war.

Das Album „New West Hotel“ ist definitiv der Höhepunkt der ersten Walkabouts-Phase. Es legt gegenüber dem Vorgängeralbum „Scavenger“ noch ein paar Gänge dazu und liefert in elektrisierenden Riffs und einzigartigen Songs das definitive Statement der Band. Die E-Gitarren krachen und verdichten sich zu Soundwänden wie aus kochendem Metall, Terri Moellers Drums sind trockener als Wüstenstaub, Carla verführt, Chris röchelt, und die Geige bzw. Steel-Gitarre von Bruce Wirth (nur bei diesem Album Mitglied der Band) setzt interessante Kontrapunkte. Die Highlights „Jack Candy“ (laut und elektrisierend) und „Findlay’s Motel“ (leise, verstörend und so gut, dass es eigentlich nicht von dieser Welt sein kann) stehen in der „Scavenger“-Tradition, bewegen sich lyrisch aber in einer anderen Dimension und gehören textlich zum Besten, was je von Chris Eckman kam. Die Balladen „Murdering Stone“ und „Unholy Dreams“ sind zum Verzweifeln schön; „Break It Down Gently“ komt mit an Television oder die Patti Smith Group erinnernden Proto-Ambient-Bassläufen; und das Cover von Townes Van Zandts „Snake Mountain Blues“ lässt einem das Blut kochen. Das Monument schlechthin aber ist der Seattle-Song „Grand Theft Auto“: eine verstörende, verzweifelte, messerscharfe Hymne, die den Hörer benommen am Boden liegend zurücklässt. Unglaublich gut.

5 Gedanken zu “

  1. Noch besser finde ich ihre Coverversionen-Sammlung „Satisfied Mind“, da hat man dann im Vergleich auch gesehen, dass den Walkabouts-Originalen von ihren Vorgänger-Platten immer der letzte Dreh für den ganz großen Wurf gefehlt hat. Honorige Band trotz allem, keine Frage, aber irgendwann dann auch im Sumpf des immer-gleichen Klangbilds versunken. Linderung brachte erst wieder die zweite Fremdwerke-Scheibe „Train Leaves at Eight „, das Chris & Carla-Seitenprojekt-Album „Swinger 500“ und diverse andere Eckman-Beteiligungen wie „L/O/N’/G“ mit Rupert Huber, Dirtmusic oder das Krautrock-infizierte „i“ .

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    1. „Satisfied Mind“ ist eine lupenreine Country-Platte… eines der grandiosesten Alben der Walkabouts. „Train Leaves At Eight“ ist vielleicht etwas überraschend, aber durchaus konsequent. Gerade dann, wenn die Walkabouts-Originale vor lauter handwerklicher Perfektion in gepflegter Langweile zu erstarren drohten, waren diese Cover-Alben eine belebende musikalische Infusion, die einem neben einer adäquaten Umsetzung der Originale auch die Möglichkeit bietet, neue Songschreiber zu entdecken. „So lebe ich“ von der deutschen Band Blumfeld habe ich z.B. zum ersten Mal als „That’s How I Live“ von The Walkabouts gehört.

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