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Willy DeVille, Pistola, 2008

Produzent/ John Philip Shenale

Label/ Eagle

Willy DeVilles Songs waren nie sonderlich persönlich. Er erzählte gute Geschichten, dichtete raffinierte Poesie und war in seinen Stories stets auf der Straße, wenn nicht in der Gosse zuhause. Nach 31 Jahren als Recording Artist blickt er auf seinem Album „Pistola“ zum ersten Mal den Dämonen seiner Vergangenheit ins Auge, singt über seine Heroinsucht, die ihn um ein paar Falten reicher machte, seine Navajo-Wurzeln, die bisher nie ein Thema waren, und lässt die Welt auf schroffe Art an seinen Erfahrungen teilhaben.

„I ain’t no rocket, just a shooting star“, heisst es auf dem Opener „So So Real“, einem Song über Erwartungen inmitten unseres modernen Treibens, dem DeVille auf dem gemächlichen Hin und Her des bluesigen Rock’n’Roll-Rhythmus davonreitet. Auf „Been There Done That“ fröhnt er dem Funkrock und erzählt für alle, die glauben etwas erlebt zu haben, was an ihm unbeindruckt abprallt. Heroin – done that. Ohne Geld auf der Straße – been there.

Was „Pistola“ prägt, sind aber nicht nur die kleinen Enthüllungen Willy DeVilles. Einmal mehr geben sich die Genres die Klinke in die Hand: Kirchenglocken und Gospelgesang auf „When I Get Home“, Trauerzug samt New-Orleans-Marching-Band auf „The Band Played On“, John-Denver-Sound mit Pedal Steel auf „Louise“, der einzigen Coverversion auf „Pistola“; Quentin Tarantino nahm einen Song Willy DeVilles für seinen Soundtrack zu „Deathproof“. Als er Robert Rodrigez bei dessen Vampir-Clash „From Dusk ‚Til Dawn“ behilflich war, hätte er einen satten, schweren Tex-Mex-Kracher wie „You Got The World In Your Hands“ mit offenen Armen empfangen.

Unter den 10 Songs auf „Pistola“ findet sich aber auch so manche Überraschung. „I Remember The First Time“ würde man, käme es von einem anderen, schlicht als Schlager abtun und die Anziehungskraft des gesprochenen „The Stars That Speak“ tendiert in Richtung Johnny Hill – obwohl DeVilles diabolisches Lachen und die tiefe, brummige Stimme schon ab und an für Gänsehaut sorgen. Auch auf „The Mountains Of Manhattan“ spricht DeVille. Er erzählt eine Geschichte zum dumpfen Klang einer Handtrommel, die einen Lagerfeuertanz einschlägt, spielt auf einer Indianerflöte und trägt den Zuhörer in die weite, kahle, heiße Prärie-Landschaft.

Der beste Song auf „Pistola“ verrät sich schon am Titel, denn hinter „I’m Gonna Do Something The Devil Never Did“ verbirgt sich genau das, was man erwartet: Ein rotziger, tiefschwarzer Blues-Song, bei dem Willy DeVille dem Teufeln den Stinkefinger zeigt und ihm die Zigarette im Handteller ausdrückt. Grossartig!

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