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Bob Dylan, New Morning, 1970

Produzent/ Bob Johnston

Label/ Columbia Records

Dieses Album könnte Bob Dylans Karriere gerettet haben. Auf jeden Fall aber bewies „New Morning“ aus dem Jahr 1970, dass der Barde immer noch eine Rolle spielte und sein Witz noch intakt war. „New Morning“ folgte direkt auf das grösste Desaster Dylans, das verstörende „Self Portrait“ – ein nahezu unmöglich zu hörendes Album, das bei so manchem Fan die Frage aufwarf, ob ihr Idol den Verstand verloren habe. Nun, der qualitative Unterschied legt zumindest den Verdacht nahe, dass das Scheitern des Vorgängers Kalkül war. Mit etwas mehr  Rock & Roll geht es bei „New Morning“ da weiter, wo es mit dem entspannten Country-Rock von „John Wesley Harding“ und „Nashville Skyline“ aufhörte, ausserdem mit einer brillante Band (u.a. David Bromberg, Charlie Daniels, Al Kooper und Russ Kunkel).

Von den grossen Dylan-Klassikern enthält das Album nur wenige („If Not For You“ wäre hier zu nennen); aber Dylan geht mit einigen Songs neue, eigenwillige Wege, die er bis zu diesem Zeitpunkt unberührt liess. Da sind die jazzigen Experimente auf „Sign on the Winter“ und „Winterlude“ oder auf dem weitschweifigen Spoken-Word-Stück „If Dogs Run Free“, das an J.J. Cale erinnert und auf dem Al Kooper ein starkes Jazz-Piano spielt. Auch wenn ein paar Songs unfertig produziert wirken, vorallem „Time Passes Slowly“ und „Went To See The Gypsy“, tut das der Qualität der Platte keinen Abbruch.

Diese unkonventionellen Songs machen „New Morning“ zu einem charmanten, liebenswerten Album.

9 Gedanken zu “

    1. Verglichen mit den Meilensteinen, die Dylan in seiner Karriere zu Tage gebracht hat, ist „New Morning“ bestimmt kein Überdrüberalbum. Allerdings hat es für mich einen angenehmen Touch von Eigenwilligkeit und Unbeschwertheit, der die positiven Aspekte dieses Werkes mühelos in den Vordergrund stellt.

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  1. Self Protrait genießt bei einer kleine Gemeinde von Dylan-Fans einen hohen Stellenwert. Ich bin Teil dieser Gruppe. Die unglaubliche lässige Cover-Version von „The Boxer“, das spinnerte „Wigwam“, das zu Tränen rührende „Take a Message to Mary“ – gib der Scheibe eine Chance! Dylan in seiner coolsten … und albernsten Phase – Toll!

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    1. Mit nun doch recht grossem Abstand kann man über „Self Portrait“ anders urteilen. Ich habe mir seinerzeit die Platte nicht gekauft, weil ich diese Sammlung aus obskuren oder geschmacklich nicht so recht einleuchtenden Coverversion nicht interessant fand. Heute habe ich irgendwie Verständnis, für das doppelte Paradox, dass sich ein Singer/Songwriter wie Dylan einerseits ausgerechnet mit einem Selbstporträt unbeliebt macht und anderseits dafür viel fremdes Material verwendet.

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  2. Die Self Portrait hat eine ganz eigene Magie für mich… mal könnte ich schreiend die Scheibe aus dem Fenster werfen, dann wieder sitzt man still da, lächelt leise vor sich hin, schüttelt ungläubig voller Faszinazion darüber den Kopf… gestern erst hatte ich wieder dieses Vergnügen damit. Eine ganz wichtige Platte für mich.

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    1. „Self Portrait“ habe ich mir damals nicht gekauft, denn im Vergleich zu „Highway 61“ oder „Blonde on Blonde“ war das ein Schock. Irgendwie seicht, ja regelrecht reaktionär und kaum zu fassen, dass das vom selben Mann stammt, der die Welt musikalisch provozierte. Heute mag ich dieses Album, auch wenn es Kitsch auf höherem Niveau ist. Songs wie „Let It Ne Me“, „Cooper Kettle“ oder „Alberta“ sind gutes amerikanisches Pop-Kino, das einem spielerisch vom Zwang des Alles-Ernst-Nehmen-Müssens-Befreien kann.

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    1. I love this album! Sure, it doesn’t compare to what came before it but it’s still enjoyable. It’s comparable to „Nashville Skyline“, but with less of a country sound. The piano of Al Kooper is the dominant instrument on this album. Best tracks for me are: „If Not For You“, „Day of the Locusts,“ and „If Dogs Run Free“.

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