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Green on Red, Here Come The Snakes, 1989

Produzent/ Jim Dickinson, Joe Hardy

Label/ China Records

Bevor Anfang der 1990er-Jahre Typen wie der „Loser“ und die Slacker in Mode kamen, gab es eine Band, die für beides prototypisch stand: Green on Red. Diese aus Los Angeles und Tucson zusammengewürfelte Formation zeichnete eine sympathische Misanthropie aus, deren Phlegma sie davon abhielt, sich anzubiedern: „Why do we play music? We’re too lazy to work and too nervous to steal.“

Gleichzeitig war Dan Stuart, der führende Kopf der Band, zu schlau, um jene blöde Musik zu machen, die man von ihnen erwartet hätte, nachdem man sie in der Zeitschrift „Rolling Stone“ in den 1980ern als die neuen Rolling Stones ausrief. Stattdessen veröffentlichten Green on Red grossartige, traditionelle Rockalben, denen der Geist des Punk innewohnte, aus dem sich ihre faule Renitenz speiste: Das grossartige „Here Come The Snakes“, das beseelte „Scapegoats“ oder das genialisch-bittere „Too Much Fun“.

Auch fast dreissig Jahre nach seinem Erscheinen bleibt „Here Come The Snakes“ ein grosses Erlebnis. Einen Mann wie Dan Stuart (der für mich übrigens ideal zu Michelle Shocked passt) ist nun wirklich nicht ein Mann für alle Tage. Zu einem angenehmen Laid-Back-Gruft-Rock redet er offen und und furchtlos über Obsessionen, die anderen peinlich sein könnten: Sozialfälle etc. Da ist alles souverän und steht fest in seiner dickbäuchigen krähenden Richtigkeit. In dem absoluten Meisterwerk der Platte erklärt er auch gleich warum: „Over the mountain“, du siehst den Berg, er baut sich vor dir auf, verdeckt die Sonne, aber du kommst bis zum Gipfel und „home on the range“, er hängt dich an irgendeinen albernen Drachenflieger, oder so etwas, und home liegt dir zu Füssen, und er holt noch einmal Luft, und es wird richtig laut in diesem eigentlich nicht so lauten Song: „Some things never change“. Daran muss man eben auch mal denken. Some Dinge tun das tatsächlich nicht, jedenfalls nicht in einem Tempo, das die Veränderungen wahrzunehmen erlaubte. Ja. Von diesen Dingen verstand Dan Stuart schon damals viel mehr als alle anderen in seinem Alter.

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