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Son House, Father Of The Delta Blues: The Complete 1965 Sessions, 1992

Produzent/ Frank Driggs, John Hammond

Label/ Columbia Records

Eddie James (1902 – 1988), besser kekannt als Son House, war wohl alles andere als ein glänzender Virtuose auf der National-Steel, aber er sang und spielte sich auch nach seiner Wiederentdeckung in den Sechzigern mit jener Inbrunst und Intensität an den Rand einer geistesabwesenden Ekstase, die wohl nicht nur krankheitsbedingt war. Son House war ein mit dem Blues Geschlagener und Beglückter zugleich, denn seine immense Begabung hatte ihm zwar zu Einnahmen von stolzen vierzig Dollar in den Jahren 1940 und 1941 verholfen – damals mehr als der Jahreslohn eines Farmarbeiters -, als ihm Paramount pro Song fünf Dollar zahlte. Anderseits verschaffte ihm dies ein permanent schlechtes Gewissen, das sich sowohl in seiner Körpersprache, als auch in den Einleitungen zu seinen Blues niederschlug.

Manchmal hat man das Gefühl, hier werde eine Seele vor den Augen des Betrachters in zwei Teile zerissen und erst im Augenblick des Spielens wieder zusammengefügt – nicht ohne Bruchstellen, wie die aufgerissenen Augen und der entrückte, nach oben ins Nichts gerichtete Blick zeigen. Und wenn ihn auch keine Höllenhunde vor sein akademisches Publikum gejagt hätten – dank seiner Vergangenheit als abtrünniger Prediger, der zwei Jahre Zwangsarbeit leisten musste, weil er einen Mann bei einer Schlägerei in einer Bar getötet hatte, – lagen genügend Steine auf seinem Weg, die ihm die Reise in den Himmel schwer gemacht haben dürften

Das Besondere an Son House war auch, dass er im Gegensatz zu den meisten Zeitgenossen immer nur den Blues gesungen hatte ohne grosse kommerzielle Hintergedanken. Von Alan Lomax hatte er als Honorar eine Flasche Coca-Cola erhalten – immerhin eisgekühlt, wie er ironisch anmerkte. Er war solchermassen das tadellose Relikt, das nicht korrumpierbare Missing Link zwischen Tradition und Revival, aber er war als Person die absolute untypische Ausnahme. Selbst nach seiner Wiederentdeckung 1964 musste er zu Auftritten überredet werden und schlug kein Kapital daraus. 1971 wurde er krank und zog sich bis zu seinem Tod 1981 völlig zurück. Seine Aufnahmen gehören zum unverzichtbaren Erbe des echten Delta-Blues.

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