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Lou Reed, The Blue Mask, 1982

Produzent/ Sean Fullan, Lou Reed

Label/ RCA

In „The Blue Mask“ schwankt Lou Reed zwischen rührenden Balladen („The Day J.F. Kennedy Died“, eine poetisch-politische Kindheits-Sentimentalität) und ausgelassener Trümmer-Heavy-Gitarre, die er aber, unabhängig von jedem Schwermetall-Code, rein expressionistisch einsetzt. In einem leicht Iggy Pop-mässigen Song erzählt er allen, die jemals daran gezweifelt haben: „I Love Women“. Auch an derer Stelle erinnert er an jenen grossen alten Mann, wenn er in dessen Art ungewöhnliche Bekenntnisse verkündet: „I Am Average“. Gleichzeitig ist wohl der Unterschied zwischen Pop und Reed überdeutlich. Dass nämlich der querlige Iggy „Girls“ liebt, der weise Lou aber „Women“, ordnet sie nicht nur in zwei musikalische Lager, sondern bestimmt auch ihre Weltanschauungen.

Während Iggy sich in seinen Alben oft auf Korsette und Konventionen einlässt, lebt Lou Reed in „The Blue Mask“ jeden Song aus. Das heisst: er gibt ihnen Luft. Dynamik. Die Schnulzen werden superschnulzig und die rockigen Sachen bekommen all den Lärm, den sie brauchen. Mal arrangiert er konventionell rockig, und bei dem Kennedy-Lied dürfen Backing-Mädchen für Country-Atmosphäre sorgen. Mal klingt es nach 64-Spur, mal nach 4-Spur-Demo.

In Wahrheit hat Lou Reed fast ohne Overdub gearbeitet, was vor allem seinem Gitarristen Bob Quine (Ex-Richard-Hell) zugute kommt. Er hat auch zurecht keine Angst, eigene Melodieeinfälle ( „Vicious“, „Satellite Of Love“) wiederzuverwenden. Und einmal erklingt eine nur von Gitarre begleitete bizarre Folk-Ballade, die er seinen Kindern zum Schlafengehen vorsingen könnte. Wenn es nicht gleich danach dieses dumpfe, gefährliche Bass-Intro gäbe…

4 Gedanken zu “

    1. Lou Reed hat ein paar unsterbliche Klassiker der aufbrechenden Rockmusik in den Sechziger geschrieben. Nach den Post-Velvet-Underground-Meisterwerke „Lou Reed „Transformer“, „Berlin“, hafteten seinen Solo-LP’s ein leichter Makel, ein Vereinsamung und eine Auszehrung an. Erst mit dem Erscheinen von „The Blue Mask“ hat Lou Reed die Kurve wieder gekriegt. Das Album gehört, nach meiner Meinung, zu den Alben aus den 80er Jahren, die auch heute noch hörenswert sind.

      Gefällt 2 Personen

  1. Auf jedenfall sein Meisterwerk, nach meinem Empfinden. Sollte ursprünglich ein Doppelalbum werden – aber irgendwer hat ihm das ausgeredet und die schwächeren Songs des Zyklus wurden ein halbes Jahr später zur „Legendary Hearts“ LP.

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    1. Ich kann dir leider nicht sagen, welches für mich das Meisterwerk von Lou Reed ist, aber „Blue Mask“ hat durchwegs Songs, die kompositorisch wie technisch auf einem hohen Niveau sind. Es gibt auch andere Platten von ihm, die mir sehr gefallen. Ich habe sehr spät aufgehört, mir Lou-Reed-Platten zu kaufen, weil er mir viel bedeutet hat. Er war schon längst in seiner Scheiss-Feuilleton-Altersweitsichtigkeitsphase, als ich mir immer noch Platten von ihm kaufte…

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