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Steve Earle, I’ll Never Get Out of This World Alive, 2011

Produzent/ T-Bone Burnett

Label/ New West

„I’ll Never Get Out of This World Alive“ ist nicht nur ein weiteres starkes Album von Steve Earle. Es ist ein Meisterwerk! Ein – inklusive Artwork und Booklet – echtes Gesamtkunstwerk. Gemalt natürlich mit feinem Pinselstrich. Dickes, effekthascherisches Auftragen war nie die Sache dieses Songwriters.

Wie hoch der Standard von diesem Album ist, verdeutlicht schon Produzent T-Bone Burnett. Der kauzige Typ mit Seitenscheitel und Sonnenbrille avanciert im Country-Lager zu einem Gütesiegel für hochkarätige, abseits vom geschleckten Mainstream angesiedelte Produktionen. Mit „I’ll Never Get Out of This World Alive“ unterstreicht er diesen Status. Erneut gelingt es ihm einen gleichermassen traditionellen wie modernen Klang zu erzeugen. Dabei setzt Burnett mehr auf Kreativität und Charisma des Künstlers als – wie leider viele seiner Kollegen – auf eine Materialschlacht im Studio. Wie weit Burnett und Earle davon entfernt sind, zeigen vor allem die im Americana/Blues/Bluegrass verankerten Stücke wie das magische „Molly-O“. Ein in seiner Schlichtheit magisch anmutendener Roots-Song. Gleiches gilt für „Meet Me In The Alleyway“ – ein rumpelnder, pochender, hypnotisch um eine Harp-Linie kreisender Blues, mit einem fantastisch intonierenden Steve Earle.

Dass Steve Earle nach den wilden Jahren seiner Jugend mittlerweile in sich ruht, wird in den schon fast konventionellen Country-Songs deutlich. In „Every Part of Me“ zum Beispiel, oder in dem keinesfalls ironisch gemeinten „God Is God“. Grösstes Hitpotential des Albums hat aber eindeutig der Opener „Waitin‘ On The Sky“. Wer sich J.J. Cale und Tom Petty vorstellen kann, wie die beiden in einem Bierzelt einen launigen Cajun schrammeln, bekommt von diesem dreineinhalbminütigen Gute-Laune-Song eine vage Vorstellung.

Neben einer kleinen und feinen Musikerriege um Earle, T-Bone Burnett, Greg Leisz (Pedal Steel) und Sara Watkins (Fiddle) steuert New Orleans-Legende Allen Toussaint gelegentliche Horn-Arrangements bei.

5 Gedanken zu “

    1. Frau Krauss ist zwar nicht mein Fall, aber bei „Raising Sand“ passt ihre Stimme gut ins Konzept. Und bei Plant ist halt mit dem Alter die Energie aus der Stimme gewichen, übrig bleibt dann diese pseudo-pathetisch über den Dingen schweben wollende entsagungsvolle Resignation. T-Bone Burnett bleibt für mich einer der besten Produzenten für handgemachte Musik.

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      1. Er hat viele gute Sachen produziert, keine Frage. Seine eigenen Sachen aus den 80ern fand ich auch nie verkehrt. Aber diese „Raising Sand“ hat mir irgendwie das Kraut ausgeschöpft, ich komme mit dem saumseligen Gesäusel überhaupt nicht klar. Solo war Plant davor und danach aber doch noch sehr passabel, „Lullaby and the Ceaseless Roar“ oder „Might Rearranger“ waren anständiger Scheiben. Seine aktuelle Platte kenn ich nicht.

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      2. Die aktuelle Platte von Plant gefällt mir über die weiteste Strecke ganz gut. Er beschäftigt sich darin naturgemäss mit Erinnerung und Vergänglichkeit. Das klingt selten sentimental, dafür öfter, als wundere er sich darüber, wo er angekommen ist. Statt dauernde Jugend zu behaupten, erzählt er vom Altern. Und das versteht er so gut, dass man ihm gern eine Weile zuhört.

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