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The Residents, Commercial Album, 1980

Produzent/ The Residents

Label/ Ralph Records

Wer sich die Residents anhört, muss wissen, mit wem er es zu tun hat. Das Konzept ist so simpel wie schräg. Durch die betont dilettantische Interpretation ihrer Musik werfen sie jahrhundertlange Erfahrung in Sachen geordneter Tonfolge einfach über den Haufen und verleihen der Grundidee „Musik“ ein gleichsam geisterhaftes wie kindlich unschuldiges Image.

Seit 45 Jahren sind sie die wohl bekanntesten Unbekannten der Welt, denn die Residents machen aus ihrer Identität ein publikumswirksames Geheimnis, das jede Menge Anlass zu Spekulationen gab. Die abenteuerlichsten war wohl die Vermutung, hinter den Residents stecken die Beatles, da ihre erste 74er LP „Meet the Residents“  eine starke Anlehnung an das 63er Beatles-Album „With the Beatles“ war, jedoch wurden die vier Pilzköpfe auf der Residents-Version mit Fratzen versehen. Eine weitere Vermutung bezog sich auf den Multimillionär Howard Hughs, der sein Ableben nur vorgetäuscht haben soll, um die Residents zu gründen, um – mit der Musik der Residents – Kontakt zu Ausserirdischen aufzunehmen.

Das „Kommerzielle Album“ der Residents entstand kurz nach dem preisgekrönten Album „Eskimo“ („Bestes Avantgarde-Album“) (1979). Es zeigt, dass die Residents der späten 1970er, frühen 1980er ihre kreativste Schaffensperiode hatten – die Alben waren vollgestopft mit Gründen, Botschaften und jede Menge Spielraum des „Andersdenkenden“ sich zu identifizieren.

Das „Commercial Album“ besteht aus 40 Songs à exakt einer Minute Spieldauer. Ein kommerzieller Popsong besteht meist aus zwei Komponenten: den Vers und den Refrain. Das wird dreimal wiederholt. Wenn man das „Geschnörkel“ und überflüssige Zeug aus einem gewöhnlichen Popsong entfernt, erhält man einen Song von gerade mal einer Minute Spieldauer. Die Residents empfehlen auf dem „Commercial Album“ jeden x-beliebigen Song dreimal hintereinander abzuspielen, damit man einen normalen kommerziellen Popsong enthält. Die normalen und beliebtesten Charts in Amerika sind die Top 40, daher sind 40 Songs auf dem Album. Einige Stücke des „Commerical Album“ wurden auch als „One Minute Movies“ verfilmt.

9 Gedanken zu “

  1. Ich finde das Album auch so genial! Mein Vater hat es mir vorgespielt, als ich ca. 18 Jahre alt war. Schön abgedreht 🙂 Ich kann mich erinnern, dass Karneval mal jemand so verkleidet war (mit dem „Augenkopf“ und dem Zylinder). Ich sprach ihn auf die Residents an. Er meinte, ich sei der Erste an dem Abend gewesen, der ihn erkannt habe 🙂 VG

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    1. Die Platten der Residents waren bewusst subversiv konzipiert. Das war eigentlich schon die Ausnahme, wenn ein Vater einem Sohn diese Sachen vorspielte. Ich bewunderte damals die Residents, die ihre Anonymität schützten, indem sie sich grosse Augäpfel über den Kopf stülpten, und manchmal wünschte ich mir sogar eine Tarnkappe – aber das war vorallem, um unsichtbar in Plattenläden Platten, naja, mitnehmen zu können.

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    1. Die Residents haben mit „Ghost Of Hope“ gerade ein verstörendes neues Album produziert, das sich ausschliesslich um Zug-Unglücke dreht. Der Grundgedanke ist: Jeder Fortschritt hat seinen Preis:

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