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The Pretenders, Learning to Crawl, 1984

Produzent/ Chris Thomas

Label/ Sire

Nach dem Drogentod von Gitarrist James Honeyman-Scott und Bassist Pete Farndon stand 1982/83 die Zukunft der Pretenders in Frage. Chrissie Hynde und Drummer Martin Chambers spielten mit Aushilfsmusikern Ende 1982 die brillante Single „Back On The Chain Gang“ ein, deren Lyrics angeblich Honeyman-Scott gewidmet sind. Dann rekrutierten Hynde und Chambers den Gitarrenvirtuoso Robbie McIntosh und Bassist Malcolm Foster.

„Learning to Crawl“ ist ein klassisches Rockalbum. Erst auf dem nächsten Album „Get Close“ sollten die Pretenders im Mainstream versinken, den sie im Songtitel „Middle Of The Road“ vermeintlich ankündigten. Martin Chambers wuchtiger Drumbeat, der das Album eröffnet, gibt den Ton an. Ob erdiger Rock oder zarte Balladen: In Wirklichkeit ist kein Song leichte Kost. Bei Hynde gelingen Beziehungen nicht, sie scheitern. Das Persuaders-Cover „Thin Line Between Love And Hate“ passt mit dessen Liebesdrama-Thematik exakt ins Programm. Auch Hyndes privates Liebesglück mit ihrem Idol Ray Davies (The Kinks) war nicht von Dauer. Hyndes autobiographischer Schreibstil zeigte aber auch eine wandlungsfähige Sängerin, die sich mit ihrer neuen Rolle als frischgebackene Mutter zwar nicht ganz abzufinden schien („Middle Of The Road“), andererseits doch Gefallen daran fand. „Show Me“, das heimliche Herzstück des Albums, handelt wie der Albumtitel von Hyndes Mutterglück. Die Sängerin projiziert romantische Hoffnungen in ihr Kind : „You with your innocence and grace restore some pride and dignity to a world in decline“. Die kämpferische Seele der späteren PETA-Aktivistin hingegen kommt in ihrem ersten politischen Statement ganz zur Geltung: „My City Was Gone“ ist eine harsche Kritik an die Adresse der neoliberalen Reagan-Administration („a government that has no pride“) und beweist das kontroverse Potential der Pretenders vielleicht am besten.

Robbie McIntosh war zwar als Gitarrist einerseits längst nicht so experimentierfreudig wie Honeyman-Scott. Die Pretenders mögen weniger abenteuerlich klangen als auf den ersten beiden Alben. Letzlich ergänzten sich McIntoshs leicht verzerrter, eleganter Gitarrensound und seine effektvollen, nie übertriebenen Soli aber perfekt mit Hyndes Stimme. Genial auch einige markante Bassriffs: Neben „My City Was Gone“ ist „Time The Avenger“ ein heimlicher Instant-Hit.

7 Gedanken zu “

  1. Die Pretenders hatte ich etwas aus den Augen verloren. Wenn ich dies richtig sehe, gibt es diese Band zumindest auf dem Papier seit nun fast 40 Jahren, wenngleich auch mit ein paar Pausen und mehreren Umbesetzungen. Über diese lange Zeit hat Chrissie Hynde immer wieder bewiesen, daß sie ein Ohr für gute Stücke hat.

    “Middle Of The Road” ist wohl mein Lieblingsrocker der Band. “Back On The Chain Gang” und “My City Was Gone” sind für mich weitere Highlights dieses Album. “Thumbelina” mit seinem Groove gefällt mir ebenfalls gut.

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    1. Für mich sind die Pretenders ein grossartiges Zeitzeugnis der Wave Music Ende der 70er / Anfang der 80er Jahre. Leider standen sie immer zu Unrecht im Schatten von Blondie und hätten damals einen grösseren Erfolg verdient. „Learning To Crawl“ ist für mich zwar ein gutes Rockalbum, sehr abwechslungsreich und melodisch, aber doch kein Vergleich zu dem grossartigen Debüt.

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    1. I’ve never seen the Pretenders live but I always liked their mix of punk and pop – they have their own distinct sound. „Learnin To Crawl“ is a fine album with a lot of good music. Best season greetings to you CB!

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