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Family, It’s Only a Movie, 1973

Produzent/ Family

Label/ Raft Records

Die Band Family zählte zu den Aushängeschildern der progressiven Rockszene in England. Zwischen 1968 und 1973 veröffentlichten sie eine Reihe von Alben, die zwar kein grosser kommerzieller Erfolg wurden, die aber aus heutiger Sicht als Klassiker der innovativen Rockmusik gelten dürfen, wobei im Vergleich zu Bands wie Yes oder ELP bei aller Experimentierfreude stets ein bodenständiges Rockverständnis bestimmend war.

„It’s only a Movie“ ist Familys letztes Album. Man findet hier die typischen Elemente ihrer Musik, wobei die Songs insgesamt etwas zugänglicher daher kommen als auf früheren Veröffentlichungen. Dennoch ist das alles andere als Massengeschmack. Die Scheibe bietet ziemlich originelle Songideen mit recht schrägen Einfällen, wobei sich das Geschick  der beiden Komponisten Roger Chapman und Charlie Whitney darin zeigt, das Aussergewöhnliche in einem funktionierenden und kompakten Song zusammenzubringen.

Unterschiedliche stilistische Einflüsse, die zu einem eigenständigen Sound verwoben werden, prägen ein Album mit diverser Rhythmik, einer ausgewogenen Mischung zwischen entspannten und beschwingten Stimmungslagen sowie einem vielfältigen Gesamtsound, der neben der herkömmlichen Rock-Instrumentierung mit vielen Bläsereinlagen und Streicherarrangements daherkommt und auch wesentlich vom exquisiten Keyboard-Spiel Tony Ashtons profitiert, das gleichberechtigt neben der Gitarre Whitneys steht. Über all dem schwebt die Reibeisenstimme Chapmans, die wesentlich zum Rockaspekt der Musik beiträgt.

Das Ganze klingt den auch so ganz und gar nicht wie der Abgesang einer Band ohne Zukunft. Mit seinen Parodien auf die musikalische Untermalung zu Stummfilmen, dem virtuosen Spiel mit Persepektivwechseln, den harten musikalischen Schnitten und ironischen Geräuschzitaten ist „It’s Only A Movie“ eine überaus gelungenes Album und mithin ein Beweis für die kreative und innovative Kraft der Band Family.

11 Gedanken zu “

  1. Ich hörte zuerst von Family auf einer Compilation namens „Rock for Release“ Anfang der 70’er, ein Stück namens Piece (Peace?) of Mind, das mir gut gefiel. Anfang der 90er oder Ende der 80er, nachdem Roger Chapman nochmal durch den Rockpalast bekannt geworden war, tingelte er auch im „Polarion“, einer Eislaufhalle in Bad Liebenzell. Der Gig war leider unterbesucht aber sehr preiswert, mit geiler Vorgruppe und einem überragenden Roger Chapman mit toller Band und geilem Sound.

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    1. Danke! Eine Compilation namens „Rock for Release“ kenne ich nicht, aber „Peace of Mind“ ist ein ziemlich schräges Rockstück mit Violinenspiel aus dem Album „Music In A Doll’s House“. Nach der Auflösung von Family zeigten sich ja Chapman und Whitney noch einmal in einem Hochleistungs-Taumel mit den Streetwalkers, danach konnte aber kaum mehr etwas Adäquates folgen. Mit Whitney gab es noch eine kurzlebige Band namens Axis Point. Chapman steigerte sich in sein eigenes Klischee hinein, das er mit mehr oder weniger Erfolg pflegt. Mit der einst so innovativen Musik von Family hat das aber wenig zu tun.

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    1. Danke! Sampler waren ja damals Mode in der deutschen Schallplattenindustrie. Ich mag mich z.B. an einen Sampler aus farbigem Vinyl mit dem Titel „That’s Underground“ erinnern, den die deutsche CBS veröffentlichte.

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      1. The Streetwalkers had more R & B and interesting funk-parts. John Whitney later founded the Axis Point. I don’t like everything about Rogers Chapman’s solo projects – too much cliché with more or less success.

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