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Aretha Franklin, Respect, 1967

Text/Musik/ Otis Redding

Produzent/ Jerry Wexler

Label/ Atlantic

Wenn bei den Grammy Awards extra eine neue Kategorie geschaffen wird, um einem Song die gebührende Ehre zu erweisen, weiss man, dass dieser Song etwas Besonderes ist. So gewann Aretha Franklin 1968 den ersten Grammy in der Kategorie „Best Female R&B Vocal Performance“, für ihre feurige Interpretation von Otis Reddings „Respect“.

Viele Leute hatten 1967 Respekt bitter nötig, nicht zuletzt die 25jährige Pfarrerstochter selbst. Die schwarze Community war drauf und dran, ihre Heimatstadt Detroit niederzubrennen, um den Demütigungen der rassistischen Demokratie ein Ende zu setzen. Frauen begannen, die Ziele der Bürgerrechtsbewegung auf ihren eigenen Kampf für gesellschaftliche Gleichberechtigung zu übertragen. Und Aretha Franklin bemühte sich, ihre Karriere nach der Columbia-Records-Flaute bei Atlantis wiederzubeleben. Sie wurde mit Gospel gross, kannte sich im Jazz aus, und nun wollte ihr neuer Produzent, Jerry Wexler, sie zum Predigen bringen. Ihn zweieinhalb Minuten nahm sich die künftige „Queen of Soul“ all dieser Angelegenheiten an.

Vor den Aufnahmen änderten Aretha und ihre Schwester Carolyn den Beat und schrieben neue Gesangsarrangements, sie erfanden auch das charakteristische Buchstabieren des Titels. Ohne R-E-S-P-E-C-T gäbe es keine Liebe, sang Franklin wissend und voller Überzeugung, und machte „Respekt“ zum Universalgebot der Vernunft.

10 Gedanken zu “

  1. „I Never Loved A Man The Way I Love You“ ist das passende Album zu „Respect“ und man sagt, es sei eins der besten Soul Alben aller Zeiten. 1967 und noch schön in mono… 😉

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    1. Das Album „I Never Loved A Man The Way I Love You“ hat Aretha zur „Queen of Soul“ gemacht. Aber auch das Album „Lady Soul“ von 1968 fasziniert durch eine geradezu lähmende Wildheit…

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  2. Jau. Is schon komisch: mit schwarzer Musik hatte ich es eher nicht, weil die „zu meiner zeit“ so in der Discowelle verwurstet wurde und zuvor schon zuviele Bläserei auffuhr. Dat neeeervt! Aber eine Platte kam durch die Mauer meiner Ablehnung locker durch: Aretha live at the Filmore West: Da wird zwar meher herumgeschrien als gesungen, aber voller Dynamik. Die Pladde hat watt.

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    1. Der Song hat ja verschiedene Bedeutungen. Ursprünglich von Otis Redding geschrieben, geht es nur darum, das ein redlich schuftender Ehemann von seiner Gattin „wenigstens“ etwas Respekt bekommt, wenn er sein schwer verdientes Geld brav daheim abliefert. Aretha Franklin schaffte es, das kleine Wort zum Symbolbegriff der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung der 60er Jahre zu machen. Das Kürzel „TCB“ am Ende der kleinen Strophe bedeutet „take care of business“, was soviel heisst wie „nimm dein Leben selbst in die Hand“.

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      1. Gewiss, der schuftende Ehemann kann von seiner Gattin (die vermutlich nicht arbeiten muss oder kann) Respekt für seine Leistung erwarten, aber ich finde, er sollte auch seine Frau respektvoll behandeln; gut, es waren damals andere Zeiten und dies war eben nicht immer und überall selbstverständlich.

        Heutzutage sind Frauen schon viel selbständiger und nicht so sehr vom Job des Ehemannes abhängig, da sie selbst arbeiten gehen und teilweise auch gutes Geld nach Hause bringen.
        Ich persönlich kann nur dazu sagen, ich versuche jeden respektvoll zu behandeln; bloß wenn nichts oder gar nur dessen Gegenteil zurückkommt, dann suche ich irgendwann das Weite. Einmal bereits getan und bis heute nicht bereut 🙂 Und dann hieß es auch für mich: „TCB“ ! Das muss man wohl auch, wenn man nicht untergehen will.
        Nach dem Hinfallen heißt es gleich wieder aufstehen, nach vorne blicken und weitermarschieren!

        Erst wenn man bereit ist, sich selbst zu helfen, anstatt nur zu jammern, bekommt man auch von anderen – oft unerwartet – Hilfe. Jammern hilft nicht, Jammern zieht einen nur runter. Aber ich weiß auch, es ist nicht immer einfach… Ich hatte für dieses „TCB“ damals auch ziemlich lange gebraucht… Aber heute bin ich froh, dass ich mich dafür entschieden hatte, auch wenn es nachher auch nicht immer leicht gewesen ist… So what! Das Leben eben!

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      2. Danke! Aretha hat ja den Song nicht nur zum Symbol für die afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung sondern auch zu einer Hymne der Emanzipation im Allgemeinen gemacht. Im Übrigen strotzt ihre Version von „Respect“ nur so von jenen „sock-it-to-mes“.

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