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Charlie Mingus, Blues & Roots, 1960

Produzent/ Nesuhi Ertegün

Label/ Atlantic Records

Wie Charlie Mingus es in den Liner Notes beschreibt: Atlantic Boss Ahmet Ertegün hatte ihm ein paar Jahre zuvor vorgeschlagen, mal ein ganzes Album mit Bluesmusik aufzunehmen. Und dann hatten ihm Kritiker auch noch vorgeworfen, sein Musik „swinge“ nicht, sei zu intellektuell. Dieses „zu“ war natürlich Quatsch, seinerzeit waren Kritiker allerdings insbesondere im Jazz-Bereich äusserst konservativ und Mingus war nun mal das Gegenteil davon. Aber der Exzentriker war wohl milder Stimmung, und beschloss tatsächlich, die Wurzeln seiner Musik zu untersuchen. Er holte sich ein großes Ensemble zusammen, namhaften Leuten wie Jackie McLean und Brooker Ervin, mit vier Saxophonen, zwei Posaunen, Klavier, Bass und Schlagzeug um ein Album mit dem programmatischen Titel „Blues & Roots“ aufzunehmen.

Natürlich ist auch auf seinem „traditionellen“ Album seine moderne Auffassung von Jazz erkennbar: Die Musik ist komplex, die Unisono-Passagen kontrolliert, aber – das ist eben auch typisch für Mingus – jeder bekommt seinen Freiraum. Die Aufnahmesessions sollen Berichten zufolge chaotisch gewesen sein – was vermutlich sogar gewollt gewesen ist, sogar zum Programm gehört haben wird. Schon beim ersten Song, dem „Wednesday Night Prayer Meeting“ ließ er Gospel anklingen, wobei die Blasinstrumente die Gesangssoli übernahmen und die Musiker sich mit Zwischenrufen und Klatschen antreiben.

Der „Cryin Blues“ klingt so wie er heisst, „Moanin’“ setzt ein klassisches Grundgerüst unter beseelte Soli, „My Jelly Roll Soul“ trägt einen der alten Jazzmusiker im Namen. Das Ganze wird mit erfreulichem Spass und voller Inspiration gespielt. Der Titel „Blues & Roots“ mag nach Althergebrachtem klingen, aber bei Charlie Mingus steht der Name nicht umsonst und somit auch hier für Spannung. Es ist Mingus‘ souligstes Album und ein wirklich gutes.

8 Gedanken zu “

  1. Was für ein starkes Album! Mingus habe ich tatsächlich erst über Joni Mitchell kennengelernt. Ich mag ihre Hommage an Mingus auch noch, aber es lohnt sich absolut, ihn als Interpreten seiner eigenen Stücke zu hören.

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    1. Ich kam auf Mingus durch die Autoren der amerikanischen Beat-Generation, die oft gemeinsam mit Jazzmusikern ihre Texte gelesen haben. „Blues and Roots“ ähnelt „Mingus Ah Um“ (beide 1959 erschienen) in vielen Belangen. Es fällt mir offen gesagt schwer zu sagen, welche ich bevorzuge. Grossartig sind beide.

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    1. I also listen this album a lot, because of its amazing musicianship and beautifully-complex compositions. On every song it seems, you hear one perfect, funky line by one instrument, which is then combined with another completely different melody by another…and another and another, until you have ten players soloing over each other without stepping on toes.

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      1. You are more on top of the structure which I pick up on a bit but it’s the over all sound that grabs my ear and gut. Where we meet is on how the music moves us. You being a musician and CB coming at it from a non musician perspective. I love Charles’s music.

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      2. „Blues & Roots“ is based on Blues and Gospel, that makes it easier for me to understand, what they play and to known how they play. The musicians in this recording are great players, their interaction and compatibility, respect, creates an energetic, romping, high energy spectacular of individual brilliance and intimate understanding and appreciation of each other’s skills and capabilities.

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