91dDZLpFrGL._SL1425_.jpg

Led Zeppelin, Physical Graffiti, 1975

Produzent/ Jimmy Page

Label/ Swan Song Records

Bei den Zeppelin Platten gibt es keinen Konsens: Wer den Durchblick nicht hat, schwört auf „Led Zeppelin IV“, und das nur, weil sich da „Stairway To Heaven“ befindet, der nüchterne Fan und der Kritiker wird nicht müde die Bedeutung von „Led Zeppelin I“ zu betonen, als Initialzündung für Heavy Metal. Wer „Physical Graffiti“ den Vorzug gibt, kriegt den Hals nicht voll genug mit dem doppelten McDonalds-Cheeseburger der Rockmusik, dem letzten Triumph vor dem Sündenfall.

Nicht selten wird „Physical Graffiti“ wegen seiner Grosskotzigkeit als Steilvorlage für die aufmüpfigen Ur-Punk-Kapellen verstanden. Als das Album 1975 erschien, hatten Led Zeppelin ihren Zenith eigentlich schon überschritten und suhlten sich selbstgefällig in Gigantomanie. Natürlich musste es eine Doppel-LP sein, das Nonplusultra um sich sein eigenes Denkmal zu setzen. Nun reichten die neun Songs nicht aus um vier ganze Plattenseiten zu füllen, da konnte man die Nummern noch so in die Länge ziehen, wie flüssiger Käse. Also wurden einfach die Archive geplündert, schliesslich waren während der Produktion der ersten fünf Zeppelin-Platten so einige Songideen unter den Tisch gefallen.  Als Krönung gibt es noch „Kashmir“, der episch erhabene Schlüsseltrack unter den vierzehn Stücken, die zwar die gesamte stilistische Bandbreite von Heavy Rock, Funk, Country und Blues abdecken, aber eher wie eine beliebige Greatest-Hits-Sammlung daherkommen.

Wie alle Doppelalben der Geschichte scheitert auch „Physical Graffiti“ an seiner eigenen Saturiertheit. Doch deshalb lieben wir ja die Platten im Doppelpack, weil sie so grossspurig und anmassend sind. Der zunehmend navigierunfähige Zeppelin spielte noch einmal alle Trümpfe aus.

12 Gedanken zu “

  1. Zufaelligerweise hielt ich gestern „Physical Graffiti“ als Doppel-LP in meinen Haenden in einem kleinen Laden, der gebrauchte Vinylscheiben sowie Vintage-Stereoequipment an- und verkauft – eine wahre Fundgrube! Wohingegen mir die vier ersten Alben von Led Zeppelin am meisten zusagen und eine Steigerung nach Led Zeppelin IV wohl kaum mehr moeglich war, habe ich generell keine Probleme mit „Physical Graffiti.“

    Ich finde Stuecke wie das funkangehauchte „Trampled Under Foot“ und das orchestrale „Kashmir“ zeigen, dass Led Zeppelin mehr als nur eine exzellente Blues und Hard Rock Band waren. Sicherlich kann man „Kashmir“ mit seinem monumentalen Sound als ueberproduziert empfinden. Das Stueck war definitiv keine Liebe auf den ersten Blick fuer mich. Selbiges gilt allerdings fuer Led Zeppelin insgesamt, was mir aus heutiger Sicht kaum verstaendlich ist.

    Gefällt 1 Person

    1. Eine meiner ersten selbstgekauften Platten war „Led Zeppelin II“, das Album mit „Whole Lotta Love“. Ich war damals einer der üblich fehlgeleiteten Teenager aus dem Proletariat und Kleinbürgertum, für die die harten Blues-Elemente und Turbo-Propeller an Phon wie geschaffen waren. Es ging vorallem um Männerkult, Martialität und Theatralik. Heute scheint mir hier vieles als zu belanglos und selbstgefällig. Das Stück „Kashmir“ hingegen gefällt mir immer noch. Der Klang der Streicher ist so bösartig, aggressiv und passend zum robusten Stampfrhytmus…

      Gefällt 2 Personen

  2. Das Beste an Physical Graffiti: Es schaffte Raum für Led Zeppelin mit Presence einen entspannten Nachfolger auf höchstem musikalischem Niveau aufzunehmen. Von allen Led Zep-Stücken dreht sich bei mir Achilles last stand mit Abstand am häufigsten auf dem Plattenteller.

    Gefällt 1 Person

    1. Zwischen Ende der 60er bis Mitte der 70er Jahre waren Led Zeppelin mehr als eine Band – sie waren eine perfekte Verbindung aus Leidenschaft, Aura und Können. Was danach kann, fand ich trotz aller Virtuosität, nicht mehr so spannend.

      Gefällt mir

  3. Oooch sooo viel Schelte? Ich mag das Album. Trampled under foot war damals meine erste Radioaufnahme von ihnen. „Yeah, ich hab was von den berühmten Led Zeppelin auf Band.“ Ich mag auch die III und die IV. und in through the outdoor.
    Die beiden ersten LPs dagegen, das issmireheornüschde. Das Bluesjerumpel, jelle?

    Gefällt 2 Personen

    1. „Kennsch Led Zeppelin, die Erschti? Dr absolut Hammer! Bi däm Solo vom Jimmy Peitsch geit dr eine ab“ – Es war ja vorallem die proletarische Arbeiterjugend Ende der Sechziger – mit Cowboystiefeln, langer Mähne und Lederjacke – bei der Hard’n’heavy-Bands einen hohen Stellenwert hatten. Körperliche Arbeit verschaffte einem damals ziemlich Respekt im Milieu. Für mich haben Led Zeppelin, Deep Purple und Black Sabbath in ihrer Frühphase einen stärkeren Eindruck hinterlassen, weil ich damals durch diese Musik die Gegensätze im eigenen Inneren wie in der Aussenwelt besser nachvollziehen konnte.

      Gefällt 2 Personen

      1. Klar kapiert. ich war halt später dran und die fiesikel greffitti mein Einstieg. Für den eigenen Wirrwarr in mir hatte ich kurz vorher Slade und um 75 Hendrix entdeckt,(Johnny B. Goode live at Berkley; hau it raus määäähn!) deshalb schwimmen LedZep eh nur im Mittelfeld und ganz ohne Fan-tum mit. Dann kam kurz dahinter das musikalische Erweckungserlebnis in Form der Uhren vor „time“ (Pink Floyd) und somit der Weg in den Prog. Die Heavy Richtung hatte deshalb lange keine richtige Chance bei mir.

        Gefällt 1 Person

  4. Ich habe mir mit 13 die Led Zeppelin III gekauft und sie gefällt mir immer noch am besten, obwohl ich heute alle Platten von LZ kenne.

    Die ersten vier LPs halte ich für genial, dann kommt eine kleine Kurve nach unten, Houses Of The Holy, Physical Graffitiy und die Platten danach interessieren mich fast gar nicht mehr…

    Allerdings verstehe ich nicht, warum LZ immer gerne als Heavy Metal eingestuft wird, obwohl mir die Einstufung von Musik schon immer zu doof war. Led Zeppelin haben eine enorm kraftvolle, schön laute Rockmusik gemacht und vor allem konnten sie auch anders und wunderbar folkige Balladen schreiben.

    Heavy Metal sind für mich, dank meiner Vorurteile, diese headgebangten Blödföne, die ihren Schmodder möglichst laut ins Mikro rülpsen… oder halt Lemmy, um dem ganzen was positives abzugewinnen… 😉

    Guten Rutsch!!!

    Gefällt mir

  5. Right now the two Zeppelin albums I pull out are the first and this one. Just watched a doc ‚It Might Get Loud‘. I enjoyed it. Jimmy Page gets together with the Edge and Jack White to discuss guitars and the sound. If you haven’t seen it I think the Fox would dig it.

    Gefällt 1 Person

    1. Thanks CB! There’s a short clip in that documentary where Jimmy Page listening to „Rumble“ by Link Wray. Here he is a fan and playing air guitar. I like his laugh, and smile when he’s playing guitar. You can’t learn that. You either have it, or you never will. Clearly, Mr. Jimmy Page has it, and he made the world dance. You really can’t do more than that.

      Gefällt 1 Person

      1. That‘ my favorite scene in the movie. I was just telling that to friend the other day. How would you like to spend the day In that music room he was in. We would be like kids in a candy store. Curious to see what was on those shelves.

        Gefällt 1 Person

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.