71OgRvcEWoL._SL1400_.jpg

Tom Waits, Swordfishtrombones, 1983

Produzent/ Tom Waits

Label/ Island Records

Die Karriere von Tom Waits lässt sich in zwei Hälften einteilen – vor „Swordfishtrombones“ und danach. Selbst Waits, gibt dies zu. Mit dieser Platte bewegte er sich weg von der Phase, die er selbst später als „barfly lounge, pseudo-jazz kind of period“ bezeichnen würde. Statt dessen stellte er sich dem Schock des Neuen in Form von Brecht/Weill und Captain Beefheart. Auslöser dieser Inspiration war seine Frau und Muse Kathleen Brennan.

Im Gegensatz zum Trend der Zeit waren die Songs meist kurz, die Worte voller Bilder, der Sound schräg, verrostet und verdreht. Die früher typische üppige Orchesterbegleitung, das Saxophon und das Klavier oder die Gitarre treten hier zurück. Angesagt ist jetzt rhythmischer Karnevalswirbel mit Harmonium, Marimba und vereinzelten Bläsern. Das Ergebnis ist ein Keuchen und Stöhnen, ein Klirren und Knarren von düster elegischer Präsenz.

„There’s a rumblin’ groan/ down below/ there’s a big dark town/ it’s a place I’ve found/ there’s a world going on/ underground“, bellt er zu Beginn der Platte, um die Atmosphäre gleich eindeutig zu definieren.

Das Lied „Frank’s Wild Years“ sollte ein Eigenleben entwickeln. 1986 wurde es die Grundlage für Waits’ und Brennans Bühnenmusical gleichen Namens, aus dem im folgenden Jahr eine Studioplatte entstand. So wurde „Swordfishtrombones“ der erste Teil einer ungewollten Waits-Triologie ( mit „Rain Dogs“ und „Frank’s Wild Years“). Dieses äusserst einflussreiche und wichtige Album war Wait’s Erstling für Island Records, nachdem Warner Bros. es – unglaublicherweise – abgelehnt hatte.

10 Gedanken zu “

    1. Die Wende, die er Wechsel zu Island Records mit sich brachte, verpasste Waits auch einen ästhetischen Invationsschub. Sein Sound war nun plötzlich so zeitgemäss und gegenwärtig wie er nur sein kann, auch wenn das klingt wie die mitternächtliche Party eines Haufen ausgerasteter Underdogs auf einem von allen guten Geistern verlassenen Schrottplatz.

      Gefällt 1 Person

  1. Lieber Hotfox, hab grad den link,zu Deinem schönen Blog auf facebook einem Freind weitergeleitet und der hat den wiederum auf seiner fb-seite verlinkt und höchst begeistert gelobt. Bist Du auf fb?

    Gefällt 1 Person

  2. Da sind always schöne schräge Balladen a la singender Bukowski und gewöhnungsbedürftiger Müllmanblues… so isser halt. Nen zweiten Iggy Pop bräuchte die Welt aber auch nicht. Also geht das schon in Ordnung mit seinem Suffjazz-meets Geniale Diletanten-Sound.

    Gefällt 1 Person

    1. Eindeutig genialer Dilettanten-Sound! Das ist Rhythm & Blues und Rock’n’Roll, Vaudeville und Heilsarmee-Getröte, Vodoo-Klänge und Hausmusik, Worksongs für Schichtarbeiter und der Funeral March für den anonymen Alkoholiker.

      Gefällt 1 Person

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.