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Jack Bruce, Songs for a Tailor, 1969

Produzent/ Felix Pappalardi

Label/ Atco Records

Seine Tätigkeiten bei John Mayall’s Bluesbreakers und in der Graham Bond Organisation brachten dem Familenvater mit Unterhaltspflichten zwar künstlerische Befriedigung aber nicht genug Brot. Jack Bruce wechselte 1965 zu Manfred Mann und landete mit diesen den Hit „Pretty Flamingo“. Bereits nach wenigen Monaten hatten sich Bruce’s Situation ins Gegenteil verkehrt: Magen und Geldbeutel waren jetzt gefüllt, doch Bruce fühlte sich leer, musikalisch unbefriedigt und frustriert.

1966 leitete ein kauziger Anruf von Ginger Baker bei Jack Bruce den legendären dreijährigen Höhenflug von Cream ein. Mehr als fünzig Millionen verkaufte Tonträger künden noch heute von einem der einflussreichsten Unternehmen der Rockgeschichte, das zumindest in der Erinnerung noch immer lebt. Doch nach dessen Zusammenbruch im Jahre 1968 war für Jack Bruce der Weg frei für eine eigenständige musikalische Entwicklung

Wie ein wütend angriffslustiger Hund knurrt sein Instrument auf „Songs For A Tailor“, dem ersten Post-Cream-Album des Bassisten. Das Eröffnungstück „Never Tell Your Mother She’s Out Of Tune“ verbindet punktierte Bläsersätze in hymnischem Gestus mit markanten Hooklines, die vom Bass kommen. Bruce’ kehliger Gesang verströmt Vitalität, die dem übermächtigen Schatten von Cream nicht zu fürchten brauchen. Das karge „Rope Ladder To The Moon“, bei dem Bruce auch Gitarre, Piano und Cello spielt, stellte melodisch und harmonisch in der damaligen Popszene eine artifizielle Herausforderung dar. Trotzdem erreichte das Album mit Heckstall-Smith (sax), Jon Hiseman (dr), Chris Speeding (g) und Felix Pappalardi (perc) Platz 8 der britischen Charts und fand auch in den USA grosse Beachtung. Die geniale und Bruce-typische Verbindung von Rock, Blues und Jazz offenbarte, dass der Bassist, der schon bei Cream Titel wie „I Feel Free“, „White Room“, „Politican“ und „Sunshine Of Your Love“ geschrieben hatte, fortan als einer der wichtigsten Komponisten der Rockszene gelten konnte: ein Songwriter mit Gefühl für stimmige Arrangements.

6 Gedanken zu “

  1. Wie vermutlich die meisten Leute, kenne ich Jack Bruce primaer durch Cream. Ich hoere gerade in dieses Album hinein, und es gefaellt mir spontan sehr gut. Von Anfang an ist es offenkundig, dass Bruce sich aus dem vergleichsweise engen wenn auch brilliaten Blues Rock Kostuem von Cream befreien wollte.

    Laut Wikipedia war dies uebrigens sein zweites Studioalbum – das erste, „Things We Like,“ brachte er allerdings erst in Dezember 1970 heraus. Weiterhin interessant fuer mich als Beatles Fan ist die Teilnahme von George Harrison, der auf „Never Tell Your Mother She’s Out Of Tune“ Gitarre spielt.

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    1. Das Interessante an Jack Bruce ist, dass er den Bass emanzipiert und zu einer melodischen Führungstimme aufgewertet hat, die virtuos das Spielgeschehen mitbestimmt und -gestaltet, sich manchmal sogar mit der tonangebenden Gitarre um die Definitionsmacht der Melodielinien duelliert. „Things We Like“ mit John McLaughlin, Heckstall-Smith und Hiseman ist ein Jahr später erschienen und erregte weit weniger Aufmerksamkeit, obwohl es „Songs For A Tailor“ eigentlich kaum nachstand.

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    1. An eccentric set of songs (written by the British underground poet Pete Brown) certainly not for everyone, but if you’re willing to listen with an open heart, you’ll be amply rewarded.

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      1. „Songs For A Tailor“ is much less blues orientated than one would think or have expected, especially considering Jack Bruce’s work with Cream, and the fact that the Blind Faith album was released in this year as well.

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