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Curtis Mayfield, Curtis, 1970

Produzent/ Curtis Mayfield

Label/ Curtom

Eher im Stillen hatte Curtis Mayfield Mitte der Sechziger seine eigene Emanzipation im von weissen Unternehmen dominierten Musikgeschäft vorangetrieben, als er 1966 mit Curtom-Music seinen eigenen Song-Verlag und 1968 mit Curtom Records sein eigenes Label gründete.

Für einige Jahre sollte dann das Label Curtom Records, das mit Donny Hathaway, Leroy Hutson, The Impressions und später dem Solisten Curtis Mayfield einige der wichtigste Künstler der Stadt unter Vertrag hatte, zum Markenzeichen von Chicagos Synthese von Sweet Funk und Black Power werden.

1970 nahm Curtis Mayfield eine „Auszeit“ von The Impressions, um das Soloalbum „Curtis“ aufzunehmen. Mit beissendem Sarkasmus zeichnete er hier in „If There’s Hell Below (We’re All Gonna Go)“ ein Bild der USA, in der von den Hoffnungen der Bürgerrechtsbewegung wenig übriggeblieben war, während „Move On Up“ beinahe verzweifelt (und mit etwa 200 „beats per minute“) diese Hoffnungen weiter einforderte.

Wie zuvor bei The Impressions nahm Curtis Mayfield auch auf seinem Soloalbum einen bewusst „schwarzen“ Standpunkt ein. Für ihn bedeutete dies aber auch immer eine universalistische Perspektive. Schwarzer Separatismus und Nationalismus blieben ihm so fremd, wie er sich immer dem Traum Martin Luther Kings von einem neuen Amerika aller Amerikaner verpflichtet wusste. Für ihn war und blieb die persönliche Erfahrung von Diskriminierung als Afroamerikaner der Impuls, sich gegen jede Form von Ausschluss und Überlegenheitsanspruch zur Wehr zu setzen. Konsequent stellte er sich auf die Seite der „unsichtbaren Helden“ wie er sie nannte, um denen Gehör zu verschaffen, die gesellschaftlich im Abseits standen. Deshalb wird man in seinen Songs auch vergeblich nach „aussergewöhnlichen Themen“ wie sexuelle Obsession oder Omnipotenz Ausschau halten.

7 Gedanken zu “

    1. Curtis Mayfield hat Privates und Politisches, Individuelles und Soziales auf der Höhe der Zeit als untrennbare Einheit päsentiert. Die 9-minütige Album Version von „Move On Up“ ist ein gutes Beispiel dafür. Da passt einfach alles.

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      1. Auf Deinen Post hin habe ich mir das Album gleich noch einmal angehört – sicherlich ein Highlight in Mayfields Katalog!

        Es ist schon bemerkenswert, mit welcher Deutlichkeit er gesellschaftliche Missstände in seinen Texten anspricht. Ich denke er gehörte neben James Brown wohl zu den bekannten schwarzen amerikanischen Interpreten, die zu den Vorläufern hier gehörten. Marvin Gaye und Stevie Wonder folgten glaube ich erst etwas später.

        Leider ist es bedrückend, daß viele der Missstände nach wie vor im heutigen Amerika existieren. Und bei dem gegenwärtigen Katastrophenpräsidenten wird sich hier wohl auch nicht viel ändern. Eher muß man wohl das Gegenteil befürchten!

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      2. Curtis Mayfield hat es ja selbst noch erleben müssen, dass seine „unsichtbaren Helden“ und die realen Menschen der USA sich immer weiter voneinander entfernten, Bürgerrechtsbewegungen und „Black Panther“ bloss noch historische Reminiszenzen wurden – trotzdem hat er die Kraft gehabt weiterzumachen, selbst als er vom Halswirbel abwärts gelähmt war.

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    1. Curtis Mayfield takes me back to another time. He was for me the musical conscience of black America. He spoke of injustices and bigotry in a clear and concise manner while offering hope through mutual love and respect. When I listen to a song like „Move On Up“ for example I feel sad thinking about all the trash being produced today. Thanks for your recommendation CB! „Short Eyes“ sounds actually like a really good film and I’ll try to watch it…

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