tom-waits-small-change-4-ab.jpg

Tom Waits, Small Change, 1976

Produzent/ Bones Howe

Label/ Asylum

Mitte der siebziger Jahre bleibt die Musik von Tom Waits nah am Blues, am goutierbaren Cool Jazz der fünfziger Jahre, umgibt sich auch mit Musikern aus dem Jazzbereich, wie dem Schlagzeuger Shelley Manne, Bassist Jim Hughart oder dem Saxofonisten Lew Tabackin. Mit den Dichtern der Beat-Generation teilt der Sänger seine Vorliebe für den Jazz – allerdings hatten Cool Jazz und Bebop damals noch einen Gestus des Aus- und Aufbruchs. 1975 dagegen wirkte diese Art von Jazz nur noch wie purer Anachronismus, eine Nostalgie, die im besten Fall mit dem musikalischen Klischees spielt, im schlechtesten nur noch unglaubwürdig entrückt klingt.

Auf „Small Change“, dem besten Album des frühen Tom Waits, sind die Jazz-Elemente prägnanter, pointierter, die Texte sarkastischer und auch radikaler von den Zeichen der Alltagswelt durchzogen. Aus den kurzen Legenden unheiliger Trinker werden Filmszenarien, wie sie für die „schwarze Serie“, den „Film noir“ der vierziger Jahre typisch sind und in den „hard boiled“ Romanen von Mickey Spillane und Nelson Algren zu finden sind.

„Small Change“ enthält enthält auch eine fast karikaturhafte Selbstdarstellung des Musikers als lausiger Barpianist: „Das Piano hat sich besoffen, mein Schlips ist eingepennt, die Band ist schon wieder in New York, mich hat man zurückgelassen. Die Musikbox muss mal pissen, der Teppich hat‘ nen Haarschnitt nötig, das Telefon hat nichts mehr zu rauchen, und der Balkon ist hinter den Frauen her. Die Bedienung findet man nicht mal mit ’nem Geigenzähler, der Beleuchter ist auf einem Auge blind und sieht nichts mehr mit dem anderen, der Klavierstimmer hat ein Hörgerät und kommt mit seiner Mutter an. Das Piano hat sich besoffen – nicht ich.“

6 Gedanken zu “

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.