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The Waterboys, Fisherman’s Blues, 1988

Produzent/ Mike Scott, Bob Johnston

Label/ Chrysalis Records

In den besten Tagen der Waterboys meinten die Experten, die Band könnte so erfolgreich werden wie U2. „Ja“, lächelt Mike Scott. „Aber zu welchem Preis?“

Nach drei Alben hatte Scott seine wechselnden Jünger bis auf den Gipfel geführt. Ihre selbsternannte „Big Music“ war episch und bildhaft, und ihr Stern stieg unaufhaltsam. Aber Scott hatte die Nase voll vom Musikgeschäft, von Anordnungen und vom Leben in London. Da lud der Fiedler Steve Wickham (neuestes Bandmitglied) die Waterboys nach Irland ein. Scott erinnert sich: „So fing das Abenteuer an.“

„Fisherman’s Blues“ ist der Versuch, auf einer Platte die Musik dieses glorreichen dreijährigen Irland-Aufenthalts zu vereinen. Von den Strassen Dublins zu den Kneipen von Spiddal: die Art der Aufnahmen erinnerte an Dylan und The Band – die musikalische Wendigkeit, der intuitive Fluss von Songs und Ideen, die enge Bindung, die Bonhomie, das mühelose Wechseln der Instrumente und das allgegenwärtige Gefühl von ländlicher Idylle und Zurückgezogenheit.

Irland – die Leute, die Landschaft und die Musik – durchdringt alles, von der anfänglichen Freude bis zur abschliessenden Hommage an Yeats. Dazwischen gibt es Walzer, Rock und eine zärtliche Version von Van Morrisons „Sweet Thing“. „And A Bang On The Ear“ war vielleicht brandneu, vibriert und donnert jedoch wie ein traditioneller Favorit.

Das Album ist ein klangvolles Werk voller Freuder und Wunder. Es ist das Destillat aus vielen hundert Stunden Tonband – gleichzeitig seine Stärke und einzige Schwäche. Scott veröffentlichte 2003 den zweiten Teil, doch der magische Augenblick hatte sich verflüchtigt wie der Nebel von Galway.

5 Gedanken zu “

  1. Scott hat damals die Zeichen der Zeit erkannt und im Fahrwasser von Bands wie den Pogues, The Men They Couldn’t Hang und der ebenfalls 1988 erschienenen Van-Morrison/Chieftains-Kollaboration das Ruder Richtung Irish-Folk-Tradition ausgerichtet. Hat er anständig hingekriegt, „Fisherman’s Blues“ ist ein bis heute gut hörbares, zuweilen gar ergreifendes Werk – und leider bis heute das einzig richtig uneingeschränkt brauchbare der Waterboys.

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  2. und was ist mit „A Pagan Place“…Das Album lebt nicht nur von „Red Army Blues“…meiner Ansicht nach gehören die ersten 3 Alben in jede Sammlung!

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    1. Ja, Du hast recht – „Pagan Place“ ist mitreissend, aber das Album stand halt schon früher immer im Schatten von „This Is The Sea“ und den späteren Folk-Sachen, vorallem „Fisherman’s Blues“.

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