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R.E.M., Dead Letter Office, 1987

Produzent/ Mich Easter, Don Dixon, Joe Boyd, Don Gehman

Label/ I.R.S. Records

Es war das Beharren auf dem kleinsten Massstab, das den Erfolg von R.E.M. ins Rollen brachte. Die Band spielte an den unmöglichsten Orten vor winzig kleinen Auditorien, immer wieder, und langsam zog sie eine Fan-Gemeinde heran, Fan wie fanatisch. Als im Juni 1981 die komplette Erstauflage von „Radio Free Europe“ an unzählige lokale Alternativ-Radiostationen verschickt wurde, kam Dynamik in die Erfolgsgeschichte. R.E.M. wurde zum Geheimtip für all jene, die nach einer Alternative zum Breitwandrock der bundesweit ausgestrahlten FM-Radioprogramme suchten. R.E.M. hatten ein Medium entdeckt, dass die Musik der vier Vorzeige-Independent-Musiker USA-weit bekannt machte, ohne dass sie an Glaubwürdigkeiten einbüssten.

Nach fünf zunehmend erfolgreichen Jahren, sechs Alben und dem ersten Top-Ten-Hit „The One I Love“ von 1987 im Vertrieb von I.R.S., einen Independent-Label, wechselte die Band zum Branchenriesen Warner über, der ihr eine höhere Präsenz auf den Boom-Märkten in Europa und Amerika versprach.

„Dead Letter Office“ war die erste R.E.M.-Compilation überhaupt und enthielt verschiedene Single B-Seiten und Raritäten zum Abschluss I.R.S.-Jahre, was das 1987 erschienene Album schnell zu einem Geheimtipp machte. Die ausgewählten Songs sind dabei weniger Radiofutter, sondern eher etwas für Kenner und Fans der Band; dadurch dass hier Stücke von 1981 an zusammen getragen wurden bietet „Dead Letter Office“ auch kein homogenes Klangbild. Vielmehr macht es die Mischung aus exotischen Coverversionen (Aerosmith mit „Toys In The Attic“, der Velvet Underground-Klassiker „Pale Blue Eyes” (und dazu noch „Femme Fatale“ und „There She Goes Again“), „Crazy” von Pylon und der coole Roger Miller-Hit „King Of The Road”) und die zum Teil etwas experimenteller ausgefallenen Kompositionen, welche es nicht auf die jeweiligen Alben schafften,  nochmals den ursprünglichen Indie-New Wave von R.E.M. hervorzuheben.

6 Gedanken zu “

    1. R.E.M. waren eine halbwegs symphatische Provinzkapelle, die Folk-, Punk- und Independent-Rock miteinander paarten, bevor sie zur Pop-Fabrik für den gehobenen Mittelstand wurden.

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    1. Die Songs auf „Dead Letter Office“ sind noch deutlich kantiger, als die späteren Stücke, die bei Warner erschienen sind. In den 90er galt R.E.M. für mich als Popband, und das ist nicht besonders freundlich gemeint.

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  1. Hach. Weiß auch nicht. „Automatic for the people“ habe ich quasi durchsichtig gespielt. REM-Hochphase. Anfang der 90er – fast das einzige aus der damals aktuellen Zeit, zwischen lauter Mauerzeitnachholkäufen. REM. Ihr flirting with Härte auf „Monster“ fand ich auch interessant. Aber insgesamt aus Sicht von jetzt: Die hatte ich rätselhaft schnell satt.

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    1. R.E.M. waren einfach offen nach allen Seiten und sie blieben es. Zwischen der schnieken Partymusik von den B-52’s und den punk- und metalinspirierten Lärmorgien der härteren Fraktion klang die Musik von R.E.M. glatt, melodieorientiert, verdaulich.

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