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Pink Floyd, Relics, 1971

Produzent/ Pink Floyd, Norman Smith, Joe Boyd

Label/ Starline

„Relics“ von den Pink Floyd ist eine Zusammenstellung von Songs aus den vorhergehenden Alben sowie verschiedenen Songs, die vorher noch nicht auf einem Album erschienen sind.  Dennoch ist „Relics“ ein spannender Trip, der noch heute hörenswert ist. Es beginnt mit der Hitsingle „Arnold Layne“, der 1967 ein Achtungserfolg wurde. Der Text ist eine typische Barrett’sche ins Ironische gewendete Pubertätsphantasie über einen Jungen, der die Unterwäsche anderer Leute von der Leine klaut. Es folgt die Albumversion von „Interstellar Overdrive“, einem ihrer damals populärsten und abgedrehtesten Tracks auf der Bühne. „See Emily Play“ war die zweite Single, ein feiner Popsong, gefolgt von Rick Wrights Träumereien aus der Kindheit: „Remember A Day“. Die erste Seite der Original-LP hört mit der Single-B-Seite „Paintbox“ auf, ein eigentlich nicht schlechter Titel der – so Pink Floyd selber – leider miserabel produziert wurde.

Die Single „Julia Dream“ war der erste Floyd-Song, auf dem David Gilmour gesungen hat. Der atmosphärisch dichte und geisterhaft anmutende Track gehört nach meinem Geschmack nach zu ihren schönsten frühen Studio-Aufnahmen. Die Rückseite der Single „Point Me At The Sky“ war eine Studiofassung von „Careful With That Axe, Eugene“, die in dieser Fassung nur auf „Relics“ zu finden ist (abgesehen von der Original-Single). Es folgen zwei Titel aus dem Soundtrack zum Film „More“, das stimmungsvolle „Cirrus Minor“ und die Rocknummer „The Nile Song“ – für Pink Floyd-Verhältnisse ziemlich hart!

„Biding My Time“ (ursprünglich „Worktime“) war ein Überbleibsel aus ihren „The Man/The Journey“-Suiten, die Ende der 60er als konzeptionelles Showspektakel aufgeführt wurden. Es ist ein ungewöhnlicher Track, der langsam beginnt und plötzlich irgendwie Dixieland-Swing-mäßig losjammt, mit Trompete! „Bike“ schliesslich ist eine Art verdrehtes Liebeslied von Syd Barrett, das in einem chaotischen Geräuschehagel endet und den perfekten Abschluss von „Relics“ bildet.

Für das Cover der Original-LP zeichnete Nick Mason eine Art fantastischer Musikmaschine. Für die remasterte CD wurde das utopische Ding nachgebaut und farbig abgebildet.

15 Gedanken zu “

  1. Dieses Album ist eine Klasse Zusammenstellung der Frühphase von Pink Floyd, das ich nach wie vor immer wieder gerne höre.

    Da ich unabhängig vom Musikgenre generell gute Melodik schätze, gefallen mir die mehr poporientierten Stücke “Arnold Lane” und “See Emily Play” besser wie etwa “Interstellar Overdrive” oder “Be Careful With That Ax, Eugene.” Außerdem stimme ich zu, daß “Julia Dream” eine besonders gut gelungene Nummer ist.

    Und dann ist da noch das wirklich schräge “Bike” mit dem witzigen Ende, das nach Enten klingt. Laut Wikipedia ist es allerdings rückwärts und mit doppelter Geschwindigkeit aufgenommenes Geschlächer. Syd Barrett war schon ein ziemlich abgedrehter Typ!

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    1. „Relics“ ist 1971 als Niedrigpreis-LP erschienen, die ich mir auch deshalb gekauft habe, weil damals bei meinem Lehrlingslohn Schallplatten Luxusgegenstände waren. Wie auf dem Debütalbum „The Piper At The Gates Of Dawn“ packt hier Barrett in einzelne Songs mehr Ideen und exzentrische Kreativität als andere in ein ganzes Album, und das ohne grossartig die gängigen Rock- und Pop-Klischees zu zitieren.

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    1. Ist das nicht ein konfuser Sampler? „Arnold Layne“ und „See Emiliy Play“ gibt es ja schon auf „Relics“ zu hören. Der Rest sind Ausschnitte aus regulären Studioalben.

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      1. So rund wie „Relics“ ist er bestimmt nicht. Die dunkleren Stücke von „Dark Side“, „Meddle“ und „Saucerful“ funktionieren aber erstaunlich gut zusammen – und am Ende gibts das ansonsten nur auf einem Harvest Label Sampler veröffentlichte „Embryo“ in der Studioversion.

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  2. Als ich „Relics“ in den 70ern kennengelernt habe, ist mir vor allem der „Nile Song“ aufgefallen. Wie bei „Helter Skelter“ von den Beatles dachte ich mir: Wenn schon hart, dann richtig. Heute finde ich Relics einfach nur großartig. – Bei der Gelegenheit hätte ich eine Frage, die mit „The dark side of the moon“ zu tun hat und die ich schon lange mit mir herumtrage. Das Gitarrensolo in „Time“ grätscht regelrecht dazwischen, indem die Finger über die Saiten schleifen (wie auch immer man das nennt), quasi als Vorwarnung für das, was kommt. Ich finde, das ist für das Solo essentiell. Deshalb kann ich mir nicht erklären, warum dieser Einstieg auf den Live-Aufnahmen dieses Titels, die ich kenne, fehlt.

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