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Ray Davies, Working Man’s Café, 2007

Produzenten/ Ray Davies, Ray Kennedy

Label/ V2 Records

Ray Davies viertes Soloalbum ist weitgehend ein melancholisches Panorama vergangener Ekstasen. Davies, mittlerweile ein knitteriger, ein wenig bitter klingender älterer Herr, setzt sich ins „Working Man’s Café“ und sagt: „Wenn ich schon nicht die Gesellschaft verändern kann, würde ich zumindest ganz gern die Menschen um mich herum glücklich machen.“

Nun wäre Ray Davies nicht Ray Davies, wenn ihm dabei Spass und Spott vergangen wären. Er macht weiter seine Witze, gern auch auf eigene Kosten. Er beschwert sich nörgelnd über die da oben, über Bürokraten und Globalisierer. „Mass production in Saigon / While auto workers laid off in Cleveland / Hot jacuzzi in Taiwan / With empty factories in Birmingham“, heisst es in „Vietnam Cowboys“.

Und sobald die Zuhörer bekümmert in ihr Hähnchen-Curry nicken, geht Ray Davies fröhlich über zu „You’re Asking Me“. Der Sänger weiss zwar keine Antwort. Aber er stellt fest, und er stellt Fragen und beklagt sich ein paar Stücke später, „No One Listen“, dass ihm blöderweise niemand zuhört. Man darf sich das Arbeiter-Café als Utopie vorstellen. Als Idyll, in dem der so genannte Kleine Mann, die Welt erkennt, sich aber seine Laune nicht verhageln lässt, weil er die schöneren Lieder hat.

2 Gedanken zu “

  1. Arbeiter-Café um nicht Stammtisch sagen zu missen. Am Stammtisch wird die Welt besprochen und je nach IQ der ihn Umstehenden, mal mehr mal weniger falsch – aber Volkes Stimme ist es letztlich immer.

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    1. Des Volkes Stimme hat natürlich das Recht wahrgenommen zu werden! Popmusik beispielsweise, begrüsst grundsätzlich den freien Markt, das Kapital und jede Art des Aufstiegs. „Working Man’s Café“ wurde am 21. Oktober 2007 in einer Auflage von anderthalb Millionen Exemplaren kostenlos der „Sunday Times“ beigelegt: ein cleverer Marketing-Gag, der das Interesse der britischen Öffentlichkeit an Davies und den Kinks wieder entfachte.

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