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The High Numbers, Zoot Suit, 1964

Text/Musik/ Peter Meaden

Produzent/ Chris Parmeinter, Peter Meaden

Label/ Fontana

Peter Meaden, ein arbeitsloser Journalist und früherer Mitbewohner von Keith Richards und Mick Jagger, und im Frühjahr 1964 wegen seiner Pillenbesessenheit aus der PR-Crew der Rolling Stones gefeuert, hatte eine Vision: Als Kultband der Mods wollte er die Who ganz gross herausbringen. Nachdem gegen Ende der 50er Jahre im wohlhabenden East End von London die ersten „Modernists“ ihre extravaganten Klamotten spazierengeführt hatten, war diese Jugendbewegung nach Westen gewandert, in die proletarischen Viertel der Stadt. Dort hatte sich der Modernismus verfinstert und war zu einer demonstrativen Rebellion der Unterklassenjugendlichen gegen die Enge und den Konformismus ihrer Umgebung geworden. Statt sich unauffällig zu verhalten und brav zu sparen, legten sie grössten Wert auf Stil. Mod zu sein hiess, sich gepflegt und extravagant zu kleiden, auffällig und cool, einen Motorroller zu schmücken, Amphetamine zu schlucken, importierte Soulplatten zu hören; kurz: sich Dinge zu leisten, die man sich nicht leisten konnte.

Um The Who als Mod-Act glaubwürdig zu machen, musste Meaden ihr Erscheinungsbild umkrempeln. „Lasst euch die Haare schneiden, kauft euch Mod-Klamotten, seid so, wie sie es wollen.“ Auch einen neuen Namen verordnete Meaden der Band: The High Numbers. Townshend, seit 1961 Student an der Ealing Srt School und selbst eher zur Schlampigkeit eines Bohemiens neigend, war sehr empfänglich für Meadens Idee und Imagekonstruktion. Und selbst um die Musik kümmerte sich Meaden: Er schrieb zwei Songs, die die High Numbers unter seiner Regie aufnahmen. Die Single „I’m The Face/ „Zoot Suit“ erschien im Juli 1964 – und floppte.

Ein Jahr später nannte sich die Band wieder The Who – und distanzierte sich von der Mod-Bewegung. Der neue Manager Kit Lambert, ein wohlhabender Snob und Filmemacher, hatte eine andere Vision. Er etikettierte seine Schützlinge als die „erste Pop-Art-Band“ und Townshend entwarf das passende Outfit dazu.

10 Gedanken zu “

  1. Hat dies auf Lakners Feuilleton rebloggt und kommentierte:
    „Zoot suit“ von den „The High Numbers“ ist einer meiner most favourite songs. Ein schönes Beispiel für den Beat der frühen 60er Jahre, der bei the Who immer mit stylischem Auftreten zusammen gingen. Stilprägend für die Mods, so etwas wie die Hipster der 1960er Jahre. Ähnlich wie die Beatles, haben The Who am Anfang Ihrer Karriere den Bandnamen öfter gewechselt. Dieser Hit war der Beginn einer krachenden Karriere von Pete Townshend, Roger Daltrey, John Entwistle († 2002)) und Keith Moon († 1978). Well done!

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    1. Danke! Die Who waren auch die mit Abstand Lautesten. Wie keine andere Band verbanden sie ihre utopische Vision der Rockmusik mit einer jugendlich-optimistischen Vorstellung von der Welt, die man verändern müsse, um sich in ihr eine Identität zu schaffen.

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      1. Ich habe mir neulich eine neue CD von The Who gekauft, um die Songs im Auto zu hören. Meine Jungs (11 und 16) haben es dann im Auto mitgehört und fanden es musikalisch gut (und die sind anspruchsvoll!). Dann hatten wir eine längere Diskussion, über die Bedeutung von The Who für die Entwicklung der Rockmusik. „My Generation“ ist schon eine Hymne der Generation. Insofern habe ich mich über den Post gefreut.

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      2. Für mich hatten sich The Who verabschiedet, als sie sich in einen abgehobenen Stadion-Rock-Act verwandelten. Auch Townshend’s quasi religiöse Vorstellungen über die Möglichkeiten einer spirituellen Läuterung durch Rockmusik halte ich für ziemlich gescheitert.

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