White Blood Cells frontal.jpg

The White Stripes, White Blood Cells, 2001

Produzent/ Jack White

Label/ Sympathy For The Record Industry

Am Anfang ihrer Arbeit zum dritten Album stand die Mission der White Stripes, eine Platte zu machen, auf der keine Coverversionen, keine Gitarrensoli und so wenig Overdubs wie möglich sind. Es war als direkte Reaktion auf den relativen Luxus des zweiten Albums, „De Stijl“ zu sehen. Solch eine Technikfeindlichkeit erntet ironische Resultate. „White Blood Cells“ wird oft als eine bombastische Produktion angesehen, die einige ihrer bekanntesten Stücke beinhaltete.

Schon jetzt waren die fest eingebauten Farben Rot, Weiss und Schwarz etabliert. Das Artwork portraitiert das Duo, wie es von den allseits bereiten Medien belagert wird, doch war es ebenso eine Anspielung auf den Albumtitel. Es ist zugleich voll von kindlichen Gegensätzen. Im Inneren des Covers sieht man das Paar, wie es herumwitzelt und für ihre angeblichen Verfolger posiert. Diese Haltung wirkt sich auch auf ihre Musik aus. Der Text zu „Fell In Love With A Girl“, ein freches Garage-Stück das jede Tanzfläche füllt, diskutiert die Unterschiede zwischen männlichem und weiblichem Gehirn. „I Think I Smell A Rat“ beklagt sich über eine Jugend, die ältere Menschen ausnutzt. „I’m Finding It Harder To Be A Gentleman“ besingt undankbare Frauen, die Höflichkeit und Tugenden schroff abweisen.

„White Blood Cells“ ist ein exzellentes Album und der perfekte Einstieg jür jeden, der neugierig auf weissen Blues des 21. Jahrhunderts ist.

11 Gedanken zu “

  1. Die White Stripes waren eine ganz okaye Combo, gräbt man jedoch tiefer im Bereich „Indie-Blues in Gitarre-/Drums-Duo-Besetzung“ bei artverwandten Zeitgenossen, findet man mit Bands wie Left Lane Cruiser, Pack AD, catl. oder den Bonnevilles – um nur einige wenige zu nennen – Formationen, die weit mehr an ursprünglichem Rock’n’Roll-Schmutz und Spontaneität und vor allem weitaus weniger an berechnendem Kalkül in ihren Arbeiten zu bieten haben.

    Gefällt 1 Person

    1. Die Brillianz der White Stripes lag darin, genau zu verstehen, was grosse emotionale Auftritte ausmacht und was man benötigt, um etwas lebendig durch die Lautsprecher zu bekommen und Wirkung zu haben. Verblüffend war hier Whites Flexibilität im Ausfüllen von Rollen. Doch wie du schon sagst: wenn man den Rock’n’Roll auf seine reinsten Bestandteile reduziert, gibt es Bands, die mit mehr Dreck und Sex und Leidenschaft daherkommen als die White Stripes.

      Gefällt 2 Personen

      1. Das ist wohl so. Ich mag etliches von ihnen ja auch, auch so manches von Whites Solo-Sachen, aber um es auf den Punkt zu bringen: So ganz über den Weg getraut hab ich ihm nie.

        Gefällt 1 Person

  2. Ich stimme Dir zu, dass dies ein wirklich gutes Album ist. Unter den gegenwaertigen, noch relativ jungen Musikern gehoert Jack White fuer mich zu den vielversprechendsten. Darueberhinaus ist er ein Klasse Gitarrist.

    Wie ich gehoert habe, war er vor einer Weile zusammen mit den Rolling Stones oder Keith Richards auf einem Cover von Rolling Stone. Dies war sicherlich kein Zufall.

    Gefällt 1 Person

    1. In dem Konzertfilm „Shine A Light“ von Scorsese sah man einen völlig entspannten Jack White neben Keith Richards und Mick Jagger. Und doch hatten die alten Männer ihn nur zu einem Stück zu akustischer Gitarre eingeladen – hätte White den Rentnerclub sonst elektrisch von der Bühne gefegt?

      Gefällt 2 Personen

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.