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Little Feat, Sailin‘ Shoes, 1972

Produzent/ Ted Templeman

Label/ Warner Bros.

Es war Jimmy Carl Black, Drummer bei Frank Zappas Mothers of Invention, der die erste Bemerkung über sie machte. Black sagte, sein Bandkollege Lowell George habe „the ugliest little fuckin feet“. Später, als Zappa ihm nahelegte die Mothers zu verlassen, erinnerte sich Lowell an Blacks Kommentar und hatte den Namen für seine neue Band – nur, dass er „feat“ statt „feet“ schrieb, zu Ehren der Beatles.

Es heisst, Zappa habe George aus der Band geschmissen, nachdem er Georges „Willin“ gehört habe, einen Song aus der Perspektive eines strassenmüden Truckers, der sich mit Gras, Pillen und Wein über Wasser hält. Zappa schlug vor, dass er, wenn er solche Musik spielen wolle, vielleicht seine eigene Band gründen sollte. Und das tat er dann auch.

Nachdem Little Feat’s Debütalbum eher ein dilettantisches Ding war, dass kaum Publikumsresonaz erweckte, gerieten die Aufnahmen des Nachfolgers „Sailin‘ Shoes“ bewusster, abwechslungsreicher und eingängiger. Aber Little Feat blieb trotzdem ein Geheimtipp.

Heute zählt „Sailin‘ Shoes“ zu den grossen Rockalben; es ist eine interessante Mischung aus Rock, Blues, Country und Pop, erdig, eigenwillig und manchmal auch sonderbar. Jeder Song hat seinen eigenen Charakter. Lowell George, der begnadete Slide Gitarrist und Songschreiber, steuerte acht der elf Songs bei. Die restlichen drei stammen von Keyboarder Bill Payne mit etwas Hilfe von Richard Hayward, dem Schlagzeuger. Es sind grossartige Sachen darunter, wie etwa „Easy To Slip“, ein Song mit Hitpotenzial; das eigenwillige Rockstück „Cold, Cold, Cold“; Balladen wie „Trouble“ und das überarbeitete „Willin“; der folkige Titelsong und der sagenhafte  „A Political Blues“. Wie Little Feat all diese Sachen in Szene setzt ist echt beeindruckend. Eine absolut hörenswerte Scheibe!

13 Gedanken zu “

    1. Als Einstieg zu Little Feat finde ich das erste Album nicht gerade günstig. Die Version von Willin“ darauf klingt wenig besser als ein Demo. Aber du hast recht, schon allein das Slide-Spiel von Lowell George bei Aufnahmen wie „Crack In Your Door“ oder der gut sechs Minuten langen Willie-Dixon-Hommage machen das Debüt interessant.

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      1. Mir kommt das Teil immer wie ein gutes Stones-Album vor, das Jagger & Co nie selber gemacht haben, mit (zu der Zeit noch nahe liegenden) Spuren-Elementen von Zappa, insofern eine interessante Kombi. Die zweite „Willin'“-Fassung ist besser, geb ich Dir Recht. Mit dem Einstieg ist das so eine Sache, ist halt die Frage, was man von Little Feat gut findet. Ich war von den beiden ersten Alben völlig überzeugt, „Waiting For Columbus“ funktioniert noch anständig als Live-Album, „Dixie Chicken“ geht gerade noch so durch, beim Rest wird es eh schon schwierig, der schwindende Einfluss von Lowell George in der weiteren Band-Historie hat sich m.M. nach nicht positiv auf den LF-Sound ausgewirkt.

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      2. Little Feat war Anfangs noch sehr von Zappa und den Mothers, den Stones, aber auch von Country und Blues, geprägt. Die von dir erwähnten Alben „Dixie Chicken“ und „Waiting For Columbus“ sind Klassiker. Ich finde „Time Loves A Hero“ auch noch eine solide Sache mit dem einen oder anderen gelungenen Gitarrenteil. Aber 1979 war dann wirklich Schluss! George erlitt auf der Promo-Tour für sein erstes Album einen tödlichen Herzinfarkt. Er war gerade mal 34 Jahre alt.

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      3. Ja, leider, da ist ein Guter viel zu früh gegangen. Seine Mitarbeit an der Band soll gegen Ende wohl auch lustlos gewesen sein, was man so liest. Sein einziges Solo-Werk ist durchaus einer Erwähnung wert, grundanständiges Teil, wie ich finde.

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  1. In der Tat eine Klasse Scheibe. Wohingegen mir der Name “Little Feat” seit vielen ein Begriff war (allerdings nicht die nette Hintergrundgeschichte wie er entstand), ist diese Band eine kürzliche “Neuentdeckung” für mich – nun ja, besser spät als nie!

    Auf Tip eines guten Freunds und langjährigen Little Feat Fans war mein Einstieg in die Musik der Band “Waiting For Columbus.” Von diesem Album war ich sofort sehr angetan.

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    1. Für mich ist „Dixie Chicken“ der Höhepunkt von Little Feat. Eine Album, das von der ersten Nummer an zündet und nicht einen Schwachpunkt aufweist. Im Wechsel mit der ebenfalls fantastischen Live-Scheibe „Waiting For Columbus“ ist das dann schon „Rock and Roll Heaven“ auf Erden.

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      1. Damit stehst Du offensichtlich nicht allein. Als ich seinerzeit “Waiting For Columbus” erkundete, habe ich die Alben davor lediglich gesamplet. Ich habe auf jeden Fall vor mir “Dixie Chicken” näher zu betrachten.

        Es gibt einfach zu viel Musik, und der Tag hat lediglich 24 Stunden!😀

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  2. Naja. Little Feat wollte einem der NDR in den 70ern lange Zeit als DIE SUPERGROUP aufs Ohr drücken. Dann kam der Rockpalastauftritt 77: Und ich schlief ein. Das war echt stinklangweilig nach Rory Gallagher! 2007 wurde der wegen des Jubiläums wiederholt. Ich schlief wieder ein. Da war nichts zu machen. Das Lowell George Soloalbum „I’ll eat it here“ haut einen auch nicht gerade um.

    Andererseits hab ich in den 80ern Dixie Chicken und Sailing Shoes – die Alben – aufgenommen und gemocht.

    Ein komisches Thema. Man kann sie durchaus hören, aber richtige Begeisterung kommt doch nicht auf. Und wenn ich mir Southernmäßige Autobahnmugge zusammenstelle, dann fallen sie mir immer erst hinterher ein und sind somit nie mit von der Partie…

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    1. Little Feat haben immer schon polarisiert: entweder man liebt oder verachtet sie. Für mich sind „Sailing Shoes“ und das rhythmisch komplexere „Dixie Chicken“ die Höhepunkte der Band. Den Rockpalast-Auftritt von Little Feat habe ich nicht gesehen. Aber gegen Ende der siebziger Jahre zeigten sich Abnutzung- und Ermüdungserscheinungen und der Sound wurde extrem schwammig. Ich kann durchaus verstehen, dass man dabei einschläft.

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