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Randy Newman, It’s Money That Matters, 1988

Text/Musik/ Randy Newman

Produzent/ Mark Knopfler

Label/ Reprise Records

„Von all den Menschen, die ich kenne, haben sich die wenigsten den Gesetzen der grossen Welt angepasst. Ich sehe, wie sie sich in Buchhandlungen herumtreiben, beim öffentlich-rechtlichen Radio arbeiten, ihre Babys in Rucksäcken herumtragen und sich insgesamt eher bedächtig fortbewegen.

Aber hör mal: hier in den USA kommt’s nur aufs Geld an!
All diese Menschen haben mehr auf dem Kasten als ich, und in jedem halbwegs fairen System würden sie locker auf einen grünen Zweig kommen – stattdessen krebsen sie am Existenzminimum herum und schlagen sich recht und schlecht durchs Leben.

Als ich etwa 13 Jahre alt war, habe ich mich mal scharf umgeschaut und dann gefragt, was das alles soll – erst meinen Vater, dann meinen Freund, dann meinen Bruder: keiner wusste eine Antwort. Schliesslich habe ich jeden gefragt, den ich kannte.

Dann habe ich mit einem Mann in den Aussenbezirken gesprochen, dem ich zusammen mit meinem Kumpel das Auto gewaschen habe. Er war klein und dick und lief in einem knallroten Overall herum. Ich sagte zu ihm: „Sie sehen aber ziemlich schräg aus!“

Und er antwortete: „Das weiss ich. Aber dafür gehört mir dieses Riesenhaus da auf der Anhöhe, und darin wohnt eine Super-Blondine, meine Frau. Im Garten habe ich einen riesigen Swimmingpool und gleich daneben noch einen. Hör zu, Jungchen: hier in den USA kommt’s aufs Geld an! Du siehst doch, dass ich Recht habe – egal, was du machst: unterm Strich zählt nur das Geld!“

13 Gedanken zu “

  1. Oder: „Gewinn kennt keine Moral.“ sagt der Consultingberater zu Martin Kupfer 1990 beim Geschäftstermin, der sich später als Betrugseinfädelung entpuppen wird. („Weißensee“ ARD Mai 2018)

    Also eben nicht nur in USA…

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    1. „Gewinn kennt keine Moral“ – Genau das macht die Kriminalität im modernen Kapitalismus so total. Aller Wahnwitz, alle Zumutungen sind den Menschen als Zumutungen der Natur, des Lebens selbst einverleibt.

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      1. weshalb es ja auf die dünne Decke Zivilisation ankommt; also auf kluge mahnende Songs zum Beispiel. Und daran haperts in der Gegenwart heftig.

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      2. Ich glaube, die Jungen haben es heute schwerer. Als ich 17 war, haben die Eltern und Lehrer wirklich auf der anderen Seite gestanden. Sie haben die Welt anders gesehen, haben andere Musik gehört und andere Bücher gelesen. Dieser Graben ist heute weg. Die Eltern und Lehrer hören dieselbe Musik und wollen die besten Freunde der Jugendlichen sein. Ich glaube nicht, dass das für die Jugendlichen gut ist, weil es die eigene Identitätsfindung enorm erschwert. Wir hatten damals Feindbilder, und das ist nicht schlecht, weil man sich an ihnen abarbeiten kann und sich sich dadurch selber definiert.

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      3. Das hätt ich bis vor kurzem ohne Kommentar unterschrieben. Ungefähr seit ich 52 oder 53 wurde, tut sich der Graben aber wieder auf.
        Heutige Musik? Zwar nicht „Hottentottenmusike“ (o-Ton unserer Väter) aber Abraum der Tonkunst. Paradebeispiel und Ursünde: A-a-a-a-ambrälla, besser kann man Kackmusik nicht veranschaulichen;
        Lesestoffe: Die Youingsters gar nicht mehr und die Alten aus meiner Kohorte lieber nochmal Hesse oder Böll anstatt was Neues zu entdecken;
        Aber ein Fakt bleibt trotzdem:
        Es ist alles einer großen Wurschtigkeit gewichen, was früher Frontlinie war.

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  2. Normalerweise ist es längst wieder Zeit, aufzumucken und zwar richtig.
    Aber es ist so schön warm und muggelich unter Muttis Rock…

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