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Stiff Little Fingers, Alternative Ulster, 1978

Text/Musik/ Stiff Little Fingers

Produzent/ Ed Hollis

Label/ Rough Trade

Jake Burns, Frontmann der Stiff Little Fingers, erinnerte sich 2002 an seinen Gemütszustand als Jugendlicher im Nordirlandkonflikt: „Das Leben muss mehr zu bieten haben, als mit Angst aufzuwachen und mit Angst schlafen zu gehen.“ Wer auf die Strasse ging, um sich einem friedlichen Protest gegen die Gewalt anzuschliessen, bekam doch nur eine Tracht Prügel ab, ergänzte er mit bitterer Ironie. Die Musik war eine der wenigen verbleibenden Protestplattformen – und Stiff Little Fingers machten Gebrauch davon.

In „Alternative Ulster“ thematisierte die Band, „die faulige Brühe aus Brutalität und Langeweile, als die wir unsere Heimat erfuhren.“ Burns sagte weiter: „Das Lied ist im klassischen Punk-Modus geschrieben, darüber, dass man nichts zu tun hat. Das war die hauptsächliche Lebenswirklichkeit eines Teenagers Mitte der 70er Jahre in Belfast… der unsägliche Überdruss, nirgendwo hinzukönnen.“

Mit Ed Hollis von Eddie & The Hot Rods als Produzent war „Alternative Ulster“ nicht mehr ganz so rauh wie ihre Debütsingle „Suspect Device“. „Alternative Ulster“ war ursprünglich als Flexidisc für ein örtliches Fanzine geplant, wurde aber dann doch eine kommerzielle Veröffentlichung bei Rough Trade, die sich 35’000mal verkaufte.  Mit ihrer Empfehlung, weder der Nordirland-Polizei RUC noch der IRA zu vertrauen, erinnerte die Platte die Punkbewegung daran, dass sich auch ausserhalb Londons wichtige Dinge ereigneten.

2 Gedanken zu “

  1. Krass, gut und mitreißend. Das kapiert man erst, wenn man dort war. Wenigstens in Irland – und auf die Vertreibungs- und Besiedlungspolitik Englands bis in die 20er gestoßen wird. Wäre Hitler nicht passiert – wären die Engländer die Dummen (in Sachen Völkermord) Auch gute Mugge zum Thema ist „Harbour of tears“ von Camel. Allerdings kein Punk.

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    1. Neben „Alternative Ulster“ gibt es ja mehrere Songs von Stiff Little Fingers, die den Bürgerkrieg zwischen Katholiken und Protestanten in Nordirland thematisieren, z.B. „Bloody Sunday“ oder „Wasted Life“. Jake Burns sagte einmal in einem Interview: „Leute fragen mich, wie denn mein alternatives Ulster aussähe. Sie denken, ich würde für einen neuen Staat eintreten oder so. Aber es ist eine ganz persönliche Vision.“

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