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The Kinks, Lola, 1970

Text/Musik/ Ray Davies

Produzent/ Ray Davies

Label/ Pye

Auf einer Live-LP der Kinks aus dem Jahr 1979 spielt Ray Davies einige wenige Takte von „Lola“ an, aber dann stoppt er und sagt. „We don’t wanna play this tonight.“ Das Publikum buht in einer Weise, wie Ray Davies offenbar vermutete, dass es jetzt wohl zu buhen hat, worauf er plötzlich sagt, als sei es spontan: „Ok., I’ll do it.“

Ray Davies, wenn sein Bericht, denn er im Text des Liedes gibt, authentisch ist, traf Lola in einem Club in Soho, wie er einen Champagner mit Coca-Cola-Geschmack trank. Bei ersten Hören war ich noch der Meinung, Lola tränke ihn, aber das ist wohl falsch: „She walked up to me and she asked me to dance/ I asked her name and in a dark brown voice she said/ „Lola.“

Sie kam also zu ihm, dem mutmasslichen Ray Davies, und bat ihn um einen Tanz. Der wollte aber erst wissen wie sie heisst, was sie mit einer „dark brown voice“ mit „Lola“ beantwortete. Im Gefolge des Abends drückte sie ihn, obwohl er nicht der kräftigste Mann der Welt ist, derart, dass sie ihm beinahe das Rückgrat brach. Wo da der Sinn liegt, weiss Ray Davies alleine. „Well, I’m not dumb, but I can’t understand/ Why she walks like woman and talks like a man/ Oh my Lola, lo lo lo Lola, lo lo lo Lola.“

Lola kann also beinahe alles sein: eine Transsexuelle, eine Tunte, eine kräftige Frau, eine alkoholbedingte Phantasie eines verklemmten Ray Davies, eine, wie es so schön heisst „literarische Figur“ oder auch die Beschreibung einer androgynen Gesellschaftsutopie.

Heute bin ich davon überzeugt, Lola gibt’s gar nicht, hat es nie gegeben, auch nicht als literarische Person, und wird es nie geben. Lola ist Musik. Zu ihrer Intonation gehört zwingend eine „dark brown voice“. Dann fungiert sie als Fixpunkt in einer nicht gerade einfach sortierten Welt: „Girls will be boys, and boys will be girls/ It’s a mixed up, muddled up, shook up world, except for Lola.“

9 Gedanken zu “

  1. 1972. Ich war 12 und meine Banknachbarin sang mir in einer langweiligen Physikstunde eine deutsche Version von „LOLA“ – textlich deutlich unter der Gürtellinie – vor. Grins. Allerdings nicht nur mir. Die nächsten Tage ging der Text zum Abschrieben rum. „Sie kam zu mir und fragt ob ich tanz, ich nickte und da griff sie mir an den Sch**** … und so weiter. Pubertäre Jahre eben. 🙂

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    1. Bei „Lola“ fällt mir „Schuld war nur der Bossa Nova“ von Manuela ein. Ich habe „Lola“ lange nicht verstanden, und geglaubt, dass Lola eine Frau oder zumindest eine Transsexuelle sei. Das das ist so falsch wie meine frühere Vermutung Bossa Nova sei ein Mann.

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  2. When I was a kid people identified as „Stones“ or „Beatles“ and I was always – but the Kinks are better still… not forgetting that *early Pink Floyd was more original also.

    I remember an older kid explaining to me the meaing of this song and I was baffled but amazed.

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    1. The Kinks were not so kind as The Beatles, but I thought they were better. „Lola“ is simply cult and the story of the woman who turns out to be a transsexual is funny.

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